Mittwoch, 2. Dezember 2009

Äthiopien im Antiquariat

Vor einigen Monaten ging ich mit Tamrat vom Fahrradgeschäft – ein neuer Sattel für sein Rad musste her – zur Straßenbahnhaltestelle. Auf dem Weg kam ich an einem kleinen Antiquariat vorbei, dessen Inhaber u.a. alte MERIAN-Hefte draußen auf dem „Wühltisch“ anbot. Ich dachte beim Überfliegen dieser alten Hefte für einen Moment: Gibt es eigentlich auch eine Ausgabe über Äthiopien? Und tatsächlich fand ich ein Magazin über dieses schöne Land: Ausgabe Oktober 1966. Wahnsinn! Natürlich hab ich es gekauft und auch gelesen. Ist schon interessant: Das Wort „Neger“ war damals noch nicht politisch inkorrekt und überhaupt ist die ganze Sprache ein interessantes Abbild der damaligen Zeit vor gerade mal etwas über 40 Jahren, wo in Äthiopien noch ein Kaiser regierte. Die vielen Schwarz-Weiß-Bilder im Innenteil präsentieren Landesansichten, die sich von heutigen, wie ich sie kenne, kaum unterscheiden. Sogar mit dem Unterschied, dass die helle, weiße Kleidung früher eben keine gebrauchten „1.-Welt-Klamotten“ und darum auch nicht so „verseucht“ mit Markenaufdrucken waren. In dem Zusammenhang erinnere ich mich an den äthiopischen Jugendlichen, der mir auf der Dorfstraße in Lalibela mit einem T-Shirt mit Uli-Stein-Cartoon entgegen kam. Shocking!
Ein weiteres Exemplar aus dem Antiquariat gesellte sich kürzlich erst hinzu. Bei einem Besuch bei befreundeten Ado-Eltern sah ich dort im Bücherregal einen dicken Wälzer, der sich ausnahmslos mit den Felskirchen in und rund um Lalibela (UNESCO-Weltkulturerbe!) beschäftigt. „Kirchen im Fels“ lautet der Titel dieses umfangreichen Werkes eines gewissen Herrn Georg Gerster. Erstauflage: 1968. Übers Internet habe ich mir ein sehr gut erhaltenes Buch der zweiten Auflage von 1972 bestellt. So etwas wurde damals sogar noch nachgedruckt. Ich glaube kaum, dass sich für derartig exotische Themen heute überhaupt Verlage finden lassen. Schön ist an dem Buch – neben der Vielfalt der Felskirchen im äthiopischen Hochland –, dass die Aufnahmen die Kirchen noch ohne die heute schützenden, aber hässlichen Blechwelldächer zeigen – wenn auch fast alle nur leider in Schwarzweiß.

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