Samstag, 7. November 2009

Mut zur Lücke

Es geschah vor einigen Tagen zur Abholzeit im Kindergarten: Gerade war es mir gelungen Tamrat vom Sandkasten loszueisen, da stoppte ihn seine Erzieherin Maren kurz vor der Garderobe mit den Worten: "Hier, nicht, dass du noch deine Schlange vergisst" und wedelte mit einer ziemlich dicken Gummiwurst. Ich war mir ziemlich sicher, dass wir am Morgen noch schlangenlos waren, schaute mir aber das gummiartige Schlangending nicht genauer an, denn Tamrat hatte es sich ganz schnell gepackt und war damit schon im Flur verschwunden. Hätte ich aber vielleicht doch mal genauer hingesehen, denn während ich noch gemütlich mit Maren plauschte und darauf wartete, dass Tamrat sich Jacke und Schuhe anzog (das dauert naturgemäßig immer gefühlte hundert Stunden), verlor Tamrats Zahn den Kampf mit dem Ungetüm. Es war nämlich, wie ich allerdings erst beim Hinausgehen erkannte, kein Gummitier zum Spielen, sondern eine angelutschte, total versandete steinharte Weingummi-Schlange, deren Kopf sicherlich schon mehrere Kindergartenkinder zwischen den Zähnen hatten - lecker!! Naja, ich gehe mal davon aus, dass Alexander aus seiner Gruppe nicht hinterhältig gehandelt hat, als er Tamrat dieses Monstrum schenkte... Also: Schlange noch im Kindergarten in den Mülleimer geworfen... und ich dachte noch "Komisch, dass Tamrat kein Geschrei macht." Da wusste ich allerdings noch nicht, dass mein Sohn schon intensiv mit der Zunge den Wackelzahn untersuchte. Erst Zuhause fiel mir auf, dass er mit Finger und Zunge dauernd im Mund "herumwerkelte". Eine genauere Untersuchung ergab dann die Diagnose: "Zahnfleischbluten und ziemlich lockerer Zahn vorne unten". Auch am nächsten Tag war der Zahn nicht fester im Zahnfleisch. Lieber doch zu unserem Zahnarzt, der den Zahn geröntgt hat und uns dann ein schönes Foto von den bereits angelegten zweiten Zähnen präsentiert hat. Die Wurzel des lockeren Zahnes war nicht gebrochen, aber ob der Zahn noch mal anwachsen würde, konnte er uns nicht sagen. Wir sollten mit definzierender Lösung die Stelle betupfen und abwarten. Taten wir dann auch und stellten nach ein paar Tagen fest, dass sich das Zahnfleisch entzündet hatte und der Zahn noch lockerer war. Also nochmals zum Zahnarzt und überlegt, was jetzt zu tun wäre. Dass der Zahn noch mal anwachsen würde, glaubte von uns niemand. Aber wegen der Entzündung haben wir uns dann doch dazu entschlossen nicht zuwarten, bis er von alleine irgendwann herausfallen würde, sondern uns an Ort udn Stelle von ihm zu trennen. Der Doktor betäubte die Stelle also mit der Spritze. (Da muss ich als Mutter doch mal erleichtert anmerken: Tamrat war super! Kein Zucken, kein Jammern und schön weit den Mund aufgemacht- ich glaube, er hatte die Einstiche gar nicht richtig gemerkt.)Und als der Arzt kurze Zeit später mit der "Operation" beginnen wollte, da war´s schon nicht mehr nötig: der Zahn fiel ihm fast entgegen, er musst nur mit einem Tupfer "abgepflückt" werden. So! Und jetzt ist Tamrat stolzer Besitzer einer Zahnlücke - damit die nächste Lücke aber noch etwas auf sich warten lässt, erinnere ich meinen Sohn manchmal an die Worte unseres Zahnarztes bei Abschied "Tamrat, jetzt hast du es selbst gemerkt: Süßes ist wirklich ungesund für die Zähne."

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