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Stein auf Stein
Zwischen den Jahren haben Tamrat und ich meinen Bruder Bodo und seine drei Jungs (3, 5 und 6 Jahre) in Alzenau besucht. Tamrat hatte natürlich seinen neuen Playmobil-Feuerwehrwagen samt Fernbedienung mitgenommen und freute sich, das Weihnachtsgeschenk stolz seinen Cousins vorführen zu können. Unter großem Lärmpegel wurden untereinander die jeweils neuesten Errungenschaften zu Weihnachten präsentiert. Ganz so, wie man es von sich selbst von früher kennt: wenn der Familientrubel endlich vorbei ist und bis zum Schulanfang im neuen Jahr noch genug Zeit bleibt, mit seinen Freunden das neue Spielzeug ausgiebig auszuprobieren und dabei bereits Anschlussgeschenkwünsche für den Geburtstag zu fantasieren. Bodo und ich fanden bei diesem Besuch auch endlich mal die Zeit, über die Aufteilung unserer Spielzeugwelten – mehrheitlich LEGO und Playmobil – zu sprechen, die allesamt bei ihm eingelagert sind. Alles Stein für Stein auseinander zu dividieren wäre einfach zu anstrengend gewesen. So einigten wir uns zumindest für den LEGO-Bereich darauf, dass er für seine Jungs die Bausätze für Stadt und Eisenbahn behält und ich dafür die sechs anspruchsvolleren Bausätze von LEGO-Technic erhalte. Tamrat ist dafür zwar jetzt noch viel zu jung, aber so haben wir das jetzt mal geklärt und ein bisschen Platz geschaffen. Die Aufteilung von Playmobil kommt dann später. Wieder zurück in Düsseldorf juckte es mich richtig in den Fingern, all die Bausätze (inklusive Alternativmodelle) nacheinander aufzubauen – auch um zu kontrollieren, ob sie „steinemäßig“ überhaupt noch vollständig sind. Herrlich entspannend! Wie früher nach Weihnachten, wo mein Bruder und ich das meiste von LEGO immer geschenkt bekommen hatten! (Auch wenn ich mich nicht erinnern kann, derart bekloppt ausgesehen zu haben, wie die Kinder auf den Werbeblättchen damaliger Zeit.) Wusste gar nicht mehr, dass das Zusammenbauen so viel Spaß macht bzw. dass das so eine Fummelei sein kann. Besonders das Wieder-Auseinandernehmen. Kleinere Finger sind da prinzipiell schon von Vorteil. Tamrat liebte es, mit den aufgebauten Modellen herumzufahren und so ihre Lenkungen auszuprobieren. Er ließ sich immer überraschen, welches Modell ich ihm am nächsten Morgen wieder in sein Kinderzimmer stellte. Das Sonntagsmodell war ein großes Go-Kart mit Zweizylindermotor. Dies fand Tami besonders gut, passte doch sein kleiner weißer Kuschelhase genau drauf. Den Hasen hatte er just an diesem Tag wiederentdeckt und so ins Herz geschlossen, dass er ihn auch auf den anschließenden Schneespaziergang in seiner Jackentasche mitnehmen wollte. Nur leider saß er da auf dem Rückweg nicht mehr drin. Wir gingen den Weg zwar noch mal gemeinsam ab, aber: find’ mal bei Dämmerung einen kleinen weißen Stoffhasen auf verschneitem Boden. Stephanie und mir tat der Verlust Leid, aber Tamrat nahm’s ganz gelassen. Man wundert sich doch immer wieder, wie mit Verlusten umgegangen wird. Besonders dann, wenn ein halb zerdrückter, aus dem Kindergarten mit nach Hause genommener Nudelkarton, auf den zwei winzige Buntpapierschnipsel aufgeklebt wurden, nach drei Wochen endlich ins Altpapier wandern soll: Ein Verlustgeschrei mit mindestens 80 Dezibel wäre die Folge.
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