Als Tamrat und ich Mitte Juni auf dem Rummel unserer Stadtteilkirmes waren, trafen wir Christoph aus Tamrats Kindergartengruppe. Beide mögen sich wohl gut leiden, denn es ging noch mal zusammen für einige Runden aufs Auto-Karussell. Danach wollte Christoph zum Ponyreiten, wo – Wunder über Wunder – Tamrat sich sofort traute, es Christoph nachzumachen, auf einem kleineren Pferd (kein Pony) in einem Zelt ein paar Runden im Kreis herumgeführt zu werden. Derartige Unternehmungen schweißen wohl zusammen und ein paar Tage später brachte Tamrat eine Einladung zu Christophs 5. Geburtstag im Juli mit nach Hause.Eigentlich wollten wir schon ein paar Tage vorher zum zweiten Teil unseres Urlaubs nach Freiburg aufbrechen, aber so eine Einladung ganz alleine wahrnehmen zu können, war Tamrat doch ein Bedürfnis. Er wollte unbedingt hin, auch wenn er unter allen Eingeladenen der jüngste war. Vorgesehen war ein Spielenachmittag auf dem Wasserspielplatz (der wegen Dauerregen dann drinnen stattfand) und ab 18.30 Uhr konnten wir dann Tami bei McDonalds abholen. Hm, Meckes; ob das so gut ist? Zwar waren wir auch auf Reisen vorher schon mal bei diesem etwas anderen Restaurant, aber Tamrat ganz alleine da was aussuchen lassen? Keine Ahnung, wie das da ablaufen sollte. Bislang waren bei anderen Kindergeburtstagen immer einer von uns Eltern mit dabei, um allzu große Völlerei bei der Nahrungszufuhr von Süßkram zu vermeiden. Aber irgendwann ist immer das erste Mal. Und wir wollen doch alle die Selbstständigkeit unserer Kinder fördern und ihnen unser Vertrauen schenken…
Also gab’s ein paar warme Worte an Tamrat bei der Kinderübergabe und ein Austausch von Telefonnummern und Klamotten für den Notfall (falls im Eifer des Gefechts doch das Pipimachen vergessen wird). Als wir dann ebenfalls zum Abendbrot (jedenfalls ich) bei McDonalds ankamen, saß ein müder aber doch recht zufrieden dreinschauender Tamrat am großen Kindertisch und schaufelte sich das letzte Stück Torte rein. Auf dem Tisch: jede Menge Merchandisingartikel von Ice Age 3, z.B. sprechende Strohhalme beim Saugen – wie schräg ist das denn? An den Wänden: Monitore mit Videoclips. Ja, so funktioniert die Marketingmaschinerie für die Kundschaft von morgen. Gut, dass Tamrat das alles noch nicht so interessiert. Auf neugieriges Nachfragen erfuhren wir, dass der Nachmittag für ihn sehr schön war: Es gab u.a. Playmobil-Figuren beim Topfschlagen und Carrerabahn-Rennen. Bei Meckes gab’s für die Kids dann ausschließlich Milchshake, Fritten und Hühnchennuggets. Wobei Tamrat uns später sagte, dass er gar keine salzigen Pommes mag. Oh, preiset den Herrn!
Aber ein paar muss er doch gefüttert haben, denn als wir zu Hause waren, wollte er trotz erkennbarer Müdigkeit noch drei Becher mit Traubenschorle trinken, bevor er widerstandslos ins Bett ging.

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