Dienstag, 22. Juni 2010

Eltern-Kind-Treffen

Im Juni 2005 waren Stephanie und ich zum ersten Mal beim jährlichen Eltern-Kind-Treffen unseres Adoptiveltern-Vereins in Oberbernhards/Rhön. Dort auf dem traditionellen Treffen des Vereins kinder unserer welt (s. Link rechts) – wir waren zuvor Mitglieder geworden – hatten wir uns als frischentschiedene und damit zukünftige Adoptiveltern mal die vielen gemischten Familien angeschaut und gesehen, wie vielfältig äthiopische und südafrikanische Kinder der rund 100 anwesenden Familien doch aussehen können. Die lockere Atmosphäre und die vielen aktiven Kinder bestärkten uns in unserem Adoptionsvorhaben.
Jetzt, dreieinhalb Wartejahre und dann noch zweieinhalb Elternjahre später, nahmen wir
letztes Wochenende endlich als Familie mal an diesem Treffen teil. 2008 war Tamrat gerade mal drei Monate bei uns und im letzten Jahr waren wir zu der Zeit schon im Urlaub.
Pünktlich zur Mittagszeit trafen wir am Samstag in dem kleinen Dörfchen und seiner für den Verein an diesem Wochenende reservierten Jugendherberge ein. Schnell das 4-Bett-Zimmer bezogen und ab in den Speisesaal zum Essenfassen. Oje, alte Jugendherbergserinnerungen aus der Schulzeit wurden schlagartig wach: Der große Kanister mit handwarmen roten Tee zum Selberzapfen, klebrige Nudeln in voluminösen Töpfen und Essen an blanken Tischen auf denen die Reste der Vorgängerfamilie liegen. Aber zum genussvollen Essen kam man eh nicht recht: Hier und da galt es, Gesichtern von bekannten Mitgliedern zuzunicken, die eine oder andere Hand zu schütteln oder über zwei Tische hinweg kurz die Qualität der Anfahrt zu schildern. Für Tamrat war das zunächst etwas zu viel, zu laut und zu rummlig. Obwohl er ganz neugierig die vielen schwarzbraunen Kinder in seiner Umgebung musterte und wohl zum ersten Mal das Gefühl hatte: heute gehöre ich mit meiner Hautfarbe mal zur Mehrheit. Nach dem Essen ging es für alle raus auf die große Wiese hinterm Haupthaus, wo für die Kinder zahlreiche Outdoor-Spielgelegenheiten geboten wurden. Zum Kuchenholen am Nachmittag stürmten alle kurz rein, um dann trotz der moderaten Temperaturen von nur rund 15 Grad wieder draußen weiter herumzutollen. Abends wurde gegrillt und anschließend war für die kleineren Kinder schon langsam Bettruhe angesagt, während die großen Kinder und Jugendlichen sich zu einem Länderspiel einfanden, dass es bei der aktuellem Fußball-WM nicht gibt: Äthiopien gegen Südafrika. Trotz läuferischer Überlegenheit der Äthiopier unterlag man der südafrikanischen Auswahl mit 14:8.
Sonntag nach dem Frühstück stand dann für alle Interessierten die Mitgliederversammlung an, der ich nur zur Hälfte beiwohnte, um dann mit Stephanie und Freunden doch noch ein wenig die schöne Landschaft zu genießen, indem wir vor dem Mittagessen den nahegelegenen Berghügel Milseburg mit Resten eines alten keltischen Ringwalls hochwanderten und die Aussicht genossen. Nach dem Essen hieß es Abschied nehmen und den dreieinhalbstündigen Heimweg antreten. Wir waren kaum auf der Hauptstraße Richtung Autobahn eingebogen, da war Tamrat auch schon eingeschlafen. Da wird man – weil selber hundemüde – richtig neidisch und weiß, wie gut man es selbst als Kind früher hatte, da man nach anstrengenden Familienausflügen nur einfach müde auf den Rücksitz krabbeln musste, um unangeschnallt (!) und ohne Extrasitz (!) nach Hause kutschiert zu werden.

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