Donnerstag, 23. September 2010

Gips denn sowas?

Tamrat hat seit Sonntag einen Gipsarm. Er ist mit Karacho bei Freunden von einem großen Gartentrampolin abgesprungen und unsanft gelandet. Der Kaffeeklatsch war für uns jäh zu Ende. Von 18 bis 23.30 Uhr waren wir in Neuss in der Zentralambulanz. Es hat dort ewig gedauert: Warten, Röntgen mit Schmerzen und Tränen, Warten, Diagnose: Stauchungsbruch im Oberarm, Gipsen mit Schmerzen und Tränen, Warten, wieder Röntgen, Warten, Abschlussgespräch.
Sonntags in der Ambulanz ist grenzwertig: Alles ist spärlich besetzt, nur eine Assistenzärztin war in Bereitschaft, die dann u.a. auch noch einen akuten Blinddarmdurchbruch vorziehen und eine Frau, die mit feuerrotem Gesicht ankam, behandeln musste. Da genießt eine kleiner Fastfünfjähriger mit einem angeknacksten Arm offensichtlich keine besonders hohe Priorität. Aber Schwester Anja von der mittlerweile eingetroffenenen Nachtschicht war eine der wenigen, die auf
Seiten des Personals sehr einfühlend war und ein paar tröstende Worte für unseren völlig fertigen Sohn übrig hatte. Nach dem Gipsen schleppte sie einen Pappkarton mit lauter Gimmicks an, aus denen sich Tamrat zwei aussuchen durfte. Als es immer noch nicht recht weiterging mit der abschließenden Beurteilung der Rötgenbilder durch die Assi-Ärztin kam Schwester Anja sogar mit einer Riesentüte Gummibärchen vorbei, in die Tami zwei Mal mit voller Hand reingreifen durfte. Auch ich war mittlerweile unterzuckert und staubte ein paar von den Dingern ab. Wenigstens gab es Wasserspender im Ambulanz-Foyer.
Tami war, als wir um halb 12 dann endlich nach Hause fahren konnten,
völlig apathisch und schicksalsergeben. Da hieß es außerdem noch, dass er tags drauf noch operiert wird, um die Knochen im Ellbogen besser zu fixieren. Aber als wir dann am Montagmorgen um Punkt 8 Uhr mit Übernachtungssachen für zwei Tage (auch für Stephanie) antrabten, meinte dann der Oberarzt, eine OP sei nach nochmals ausgiebigem Betrachten der Röntgenbilder doch nicht nötig; die Knochen im Gips stünden gut zueinander. Wenn's stimmt: nochmal Glück gehabt!
Nun gut. Am Montag hat Stephanie eh schulfrei und während ich dann zur Arbeit ging hat sie Tamrat wieder ein bisschen aufgerichtet und mit ihm viel gespielt. Gestern nahm ich mir dafür einen Tag frei und wir beide waren im Aquazoo, dann auf dem Rheinturm und noch fett Eisessen. Tami trägt sein Handicap mittlerweile mit Fassung. Schlafen geht auch gut, wenn auch statt im Hochbett mit Matratze auf dem Fußboden.
Ein paar Langarm-T-Shirts mussten jetzt "geopfert" und der linke Arm abgeschnippelt werden, damit der Junge was zum Anziehen hat. Denn durch die angewinkelte Lage des Gipsarms und etwas zu viel Gipsmaterial am Bizeps kann man kaum ein Oberteil drüberstreifen und hochziehen. Aber z
um Glück ist es momentan noch nicht so kalt und trocken.
Seit gestern ist Tami wieder im Kindergarten. Scheinbar ohne Probleme. Hoffen wir, dass er sich dort weiterhin etwas zurücknimmt und nicht jede Rangelei mitmacht. Hinfallen wäre nämlich blöd.
Freitag müssen wir früh nochmal ins Krankenhaus zum Kontroll-Röntgen. Dann sollen es nur noch zwei weitere Wochen mit Gips sein. An seinem Geburtstag selbst wird Tami wohl noch jemanden zum Geschenkeauspacken brauchen; am Wochenende drauf, wo mit Freuden gefeiert wird, wäre es – wenn alles glatt läuft – möglich, dass er das dann wieder alleine machen kann.

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