Sonntag, 5. Februar 2012

Homemade Injera

Hauswirtschafterin Mulu auf der Mission – unserer Unterkunft in Addis im Sommer – hatte uns zum Abschied eine große Tüte mit Shiro-Mehl und eine mit Berbere (eine chili-scharfe Gewürzmischung) mitgegeben. Sie lag lange oben auf dem Küchenschrank und je nach Luftfeuchtigkeit roch es neben dem Kühlschrank immer ein klein wenig nach Äthiopien. Dort hängt der Geruch von Berbere überall in der Luft. Irgendwie fehlte uns bislang die Gelegenheit und der rechte Appetit, diese beiden Zutaten zum äthiopischen Standardgericht Shiro Tegabene zu verarbeiten: einem dicken „Pamps“ aus mit Wasser aufgekochtem Shiro-Mehl (von einer Bohnenart) mit ordentlich Berbere und zuvor ausgelassenen Zwiebeln und angeschwitztem Knoblauch drin.
Das heutige Treffen mit einer unser befreundeten Adoptivfamilien bot nun endlich die wunderbare Gelegenheit, ihren Besuch mit einem gemeinsamen Abendessen mit Shiro zu krönen. Wir hatten uns anderthalb Jahre nicht gesehen und somit war die Wiedersehensfreude groß. Es gab viel zu erzählen, um sich gegenseitig wieder auf den jeweils aktuellen Stand zu bringen. Und nicht zuletzt, um unseren Familiennachwuchs kennenzulernen. Eyoel und Endeshaw, die beiden Söhne unserer Freunde, spielten derweil mit Tamrat im Kinderzimmer – und auch Banchiayew wurde miteinbezogen. Alles verlief alles sehr harmonisch und friedlich für vier Kinder zwischen zwei und zehn Jahren in einem Raum. Nach dem Kaffee ging‘s erst mal trotz Eiseskälte nach draußen auf den Spielplatz, um sich mit ein bisschen Bewegung das geplante Abendessen in äthiopischer Manier zu verdienen. Nach einer guten Stunde Fußball mit Jungs und Vätern sowie Schaukeln und Seilrutsche für Banchia zogen wir heimwärts und machten uns an die Vorbereitungen. 
Ich hatte das Shiro bereits am Abend zuvor gekocht, damit es Zeit hatte, gut durchzuziehen. Unsere Freunde brachten selbstgemachte Injera-Fladen und noch weitere spezielle Leckereien mit, die nun zum Familienmahl aufgetischt wurden. Insbesondere die Kinder waren ganz wild darauf und stürzten sich auf die Speisen. Für sie ist es immer toll, wenn man – durchaus ohne großartig zu kleckern – mit den Fingern essen darf. Dabei ist Berbere so hartnäckig, dass sein Geruch trotz intensiven Händewaschens noch mindestens einen Tag an den Fingern erhalten bleibt und damit die Erinnerung ans leckere Essen – und einen schönen gemeinsamen Familientag.

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