Donnerstag, 20. September 2012

Zugfahrt nach 30 Jahren

Letzte Woche haben Tamrat und ich meine alte LEGO-Eisenbahn – mit noch blauen Schienen – aufgebaut. Er war ganz neugierig, wie sie denn aussah und womit Papa früher gespielt hat. Das ganze Zeug – Schienen, Weichen, 2 Loks, 10 Waggons sowie 1 Bahnhof und 1 Bahnübergang – war lange Jahre in einem großen Karton, der nach unserem Auszug aus dem Elternhaus zunächst übergangsweise bei meinem Bruder eingelagert war. Er behielt dann alles andere an LEGO für seine Jungs, lediglich die Eisenbahn schlummerte dann weiter in unserem Keller weiter vor sich hin.
Es gibt Fotos, die einen Aufbau der Eisenbahn in meinem alten Kinderzimmer zeigen. Die zeitliche Abfolge der Fotos im Album lässt den Rückschluss zu, dass es 1982 das letzte Mal war, dass die Bahn ihre Runden drehte. Als sie sich nun nach 30 Jahren erstmalig wieder in Bewegung setzte, roch es etwas wie nach einem Kurzschluss. Kontakte und Stromschienen musste erstmal vom oxydierten Belag der Dekaden befreit werden, bis die Lok schließlich ohne Ruckeln und Zuckeln auch im Schleichgang gleichmäßig fuhr. Der alte 12V-Trafo – jahrelang zur weihnachtlichen Krippenbeleuchtung noch bei meinen Eltern im Einsatz – funktioniert noch tadellos und wird es hoffentlich noch weiter tun. Denn Banchiayew hat wilden Spaß daran, am Knopf zu drehen und so – vorwärts, rückwärts – mit den unterschiedlichen Geschwindigkeiten zu spielen.
Neugierdehalber habe ich mal bei ebay & Co. geschaut, was es denn so noch an Modellen und an Zubehör zu dieser Eisenbahngeneration gibt. Ich war absolut erstaunt: Es gibt durchaus noch einiges, das aber – obwohl gebraucht – für Hammerpreise gehandelt wird. Der alte Dampflokzug, den ich mit vielleicht 10 Jahren mal zu Weihnachten bekam, ist für stolze 115 Euro zu haben – was im Vergleich mit anderen Angeboten noch preiswert ist! Andere Sachen sind – Euro in Mark umgerechnet – teilweise mindestens fünf Mal so teuer wie vor 20, 30 Jahren. LEGO: offenbar keine schlechte Geldanlage. Auch wenn ich nicht auf einen exorbitanten Wertzuwachs für die nächsten 30 Jahre spekuliere, so habe ich mir dennoch noch zwei Weichen (25 Euro), eine Kreuzung (7 Euro) und 20 Schienen (25 Euro) besorgt. Macht einfach Spaß! Und es ist nur eine traurige Tatsache, wie wenig LEGO heute noch im Eisenbahnsegment anbietet; das war früher noch völlig anders: Elektrische Signale, Weichen, Waggons, Beleuchtungs-Sets… Aber das Thema „Modelleisenbahn“ ist im Spielwarenbereich im Moment tot; eine erste Wiedergeburt hat bei uns gerade stattgefunden. »Achtung an der Bahnsteigkante! Zurücktreten!«

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