Wer hat eigentlich den Brauch in die Welt gesetzt, Geburtstagskindern eine Krone aufzusetzen? Oder hat sich hier eine Marketing-Idee von Burger King zum Volksgut verselbstständigt? Nachdem Tamrat gestern Abend endlich eingeschlafen war, machten wir uns - gleich der Heinzelmännchen - an die Vorbereitungen: Tischplatz schmücken, Geschenke einpacken, Kuchen backen - und eben eine Krone basteln. Auch wenn ihm gestern noch bewusst war, dass tags drauf sein Geburtstag ist und er natürlich große Geschenke „anmahnte“: Heute morgen hatte er es offenbar vergessen. Er kam wie immer erst mal noch in unser Bett gekrabbelt, wo ihn Stephanie mit Vorlesen lange genug ablenkte. Ich zog mich derweil schnell an, lief zum Bäcker Brötchen holen und bereitete den Frühstückstisch. Als Stephanie dann mit Tami schließlich in die Küche kam und er die brennenden Kerzen auf dem Tisch sah, wurden die Augen doch recht groß. Stimmt, da war doch was! „Überraschung!!!“ Nach dem Singen der üblichen Geburtstagsklassiker ließen wir unseren Schatz hochleben, bevor Tami sich dann ans – sehr andächtige - Auspacken seiner Geschenke machte. Insgeheim haben Stephanie und ich uns natürlich gefragt, ob und wie denn wohl seine vorherigen Geburtstage gefeiert wurden. Schon komisch, dass der erste Geburtstag des eigenen Kindes mit drei Jahren stattfindet. Aber der schöne Vorteil ist: Es ist ein Alter, in dem sie das Prinzip verstehen und man mit ihnen dann natürlich schön feiern, sich freuen sowie gemeinsam mit den Geschenken spielen kann. Nachmittags waren erst mal beide Großeltern eingeladen und während Stephanie dafür noch einen Kuchen backen wollte, erfüllte ich Tamrat einen Wunsch, den er schon seit längerem immer wieder äußerte: Endlich mal ins Schwimmbad zu gehen. Das Hallenbad im neu eröffneten Einkaufs- und Stadtteilzentrum hatte es ihm angetan und am Eröffnungstag vor zwei Wochen hatte er sich (und wir uns) auch alles schon anschauen können. Er war von dem Vorhaben natürlich sofort Feuer und Flamme und holte gleich seine kleinen Badelatschen. Mit ihnen und samt Schwimmwindeln, Schwimmflügeln, Wasserball, Handtuch etc. betraten wir beide dann die Familienumkleidekabine. Auch wenn diese doppelt so groß wie normale Umkleiden war, so ist das echt ein Akt, Klamotten für einen Erwachsenen und ein Kind auf diese sperrigen Plastikbügelkonstruktionen zu hängen und diese dann in einem engen Spind zu verstauen. Ehrlich gesagt, ich mag Hallenbäder nicht besonders; diese ganze eingepferchte Umziehprozedur – besonders später in nass-feuchtem Zustand – fand ich als Kind schon nervig. Außerdem finde ich es in den Bädern meist zu kalt, wenn man nicht gerade im Wasser trainiert. Tami schlotterte denn auch immer ein bisschen, wollte aber auf stetes Nachfragen hin (noch) nicht nach Hause gehen. Die gute Stunde Aufenthalt vertrieben wir uns entweder dümpelnd im Wasser oder schauten vom Beckenrand dem Wassertreiben anderen Kinder zu. Auch wenn Tami das "Feuchtgebiet Hallenbad" spannend findet: Er reagiert doch sehr panisch, wenn es darum geht, ihn im Becken mal loszulassen oder ihn waagerecht festgehalten mal ins Wasser zu legen. Dann krallt er sich an mir fest, wie eine Katze, die man in einen Wassertrog stecken will. Aber es waren für ihn ganz sicher zwei erste wichtige Erfahrungen: Beim Schwimmen ist man fast nackt und man ist nahezu komplett im Wasser. Ganz offensichtlich Zustände, an die sich Tami noch gewöhnen muss. Mal sehen, wie es nach dem heutigen Besuch um seine weiteren Ambitionen bestellt ist, das Schwimm-Hand-und-Fußwerk zu erlernen. Leider sind die vom Bad angebotenen Wassergewöhnungskurse für Kinder in seinem Alter ausgebucht bis Ende 2009! Was nun?, sprach Poseidon…

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