Dienstag, 17. Februar 2009

Papa ante portas

Nein, nein, Senf habe ich noch nicht palettenweise geordert, aber in den ersten beiden Wochen meiner zwei Vätermonate (vulgo: Wickelvolontariat) kam ich mir doch ein bisschen so vor wie ein Früh-Pensionär. Stephanie hatte ja bislang den Vormittag völlig alleine zur freien Gestaltung bzw. Verfügung und sich da natürlich eine eigene Routine zugelegt. Und jetzt mischt da noch der Partner mit und macht alles „strubbelig“. Klar, dass es also zu Anfang ein paar Abstimmungsprobleme gab, wovon das erneute Geschirrspülen einer bereits fertigen aber noch nicht ausgeräumten Maschine noch harmlos war.
Aber jetzt sind drei Wochen vergangen und wir beide sind gut eingespielt. Meist bringe ich Tamrat morgens zum Kindergarten, was Stephanie den frühzeitigen Badbesuch erspart – dauert bei Mädels ja immer länger als bei Jungs. Wenn ich dann zurück bin, liegen nahezu fünf Stunden zur freien Verfügung vor uns. Herrlich! Endlich kann man mal all die Sachen in Angriff nehmen, wofür man sonst keinen rechten Antrieb verspürt, da der Einzelaufwand einfach zu gering war: Den letzten Rauchmelder anbringen, der es nicht mehr an die Decke geschafft hat; die schnurlose Tastatur und Maus installieren, die schon seit zwei Jahren im Arbeitszimmer herumliegen; diverse angesammelte Artikel über ebay vertickern, usw. Eben alles Sachen, für die man nach „elterlichem Dienstschluss“ gegen 20 Uhr keine rechte Lust mehr verspürt. Aber aufgepasst: Nicht zu viel vornehmen, denn die fünf Stunden am Vormittag sind schnell vergangen und dann heißt es: Ja, was kochen wir denn heute? Auch so’ne Abstimmungsgeschichte. Tamrat isst ja im Kindergarten, was einerseits ganz praktisch ist, aber uns nun zu zweit doch zum fröhlichen Möhrenschnippeln o.ä. mittags an den Herd bringt. Eine ganz ungewohnte Zweier-Betätigung, die in der Vor-Tami-Zeit erst abends mit einem Gläschen Wein startete und viel entspannter vonstatten ging. Zurzeit ist eher praktische und dabei schnelle Kost angesagt.
Wenn Tami dann gegen halb drei schließlich zu Hause ist, braucht er erstmal ein bisschen Zeit, um „runterzukommen“ und um sich wieder einigermaßen an Zimmerlautstärke zu gewöhnen. Danach können Tami und ich alleine oder natürlich auch mit Stephanie was unternehmen; viel mehr als wenn ich erst spätnachmittags von der Arbeit komme. Schwimmbadbesuche zum Beispiel. Oder Kicken auf dem Spielplatz im Hellen.

Insofern ist es vom Gesetz her superkomfortabel, dass diese Vätermonate auch für Adoptionskinder gelten, besonders weil bei ihnen der so genannte „Tag der Inobhutnahme“ fürs Elterngeld ausschlaggebend ist und nicht der der Geburt. Während also wahrscheinlich 99 % der Väter mit einem einjährigen Kind zuhause spielen dürfen und mit dem Kinderwagen draußen unterwegs sind, kann ich erfreulicherweise da mit Tamrat viel mehr unternehmen. Morgen gehen wir beide z.B. wieder ins Schwimmbad und danach noch in den Baumarkt wegen noch ein paar offener Kleinbaustellen in unserer Wohnung.

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