Donnerstag, 29. Januar 2009

Tami-Tag

Ein Jahr ist es nun her, dass wir unseren Tamrat im Kinderheim abholen durften und diesen besonderen Tag wollten wir natürlich feiern! Vor dem Frühstück wollte Tamrat erst einmal die goldene Krone aufsetzen, die er vor einiger Zeit im Kindergottesdienst bekommen hatte. Dann war er startklar, um seine Geschenke auszupacken: ein Fotoalbum, in das wir Fotos geklebt hatten, die in diesem Jahr von ihm, mit uns, seinen Verwandten und Freunden entstanden sind, ein kleines "Flitze-Auto" (unter Kennern: Darda-Auto) und ein Bilderbuch. Zum Frühstück gab es selbstgebackenen Kuchen (nein, keine Backmischung!). Das Auto fand Tamrat natürlich erst einmal am spannensten und es bedurfte einiger Überredungskunst meinerseits ihm vom Spiel mit Auto und Papa loszueisen, damit er nicht allzu spät in den Kindergarten kam.
Nach dem Kindergarten ging es dann wie jeden Donnerstag zum "Liedergarten" – dieses Mal ausnahmsweise mit Mama und Papa. (Heute begannen nämlich auch Roberts zwei "Vätermonate" – herrlich!). Ich hätte allerdings gar nicht mitgehen müssen: Tamrat klebte nur am Hosenbein von Robert und ich wurde keines Blickes gewürdigt. Selbst im Tanzkreis wollte Tamrat mir keine Hand geben grrr... (Zitat der Leiterin: "Aber das ist doch die Mama!") Schließlich war am frühen Abend noch ein Besuch im äthiopischen Restaurant geplant. Es ergab sich ganz spontan, dass noch eine Freundin mit ihrem Sohn uns beim Essen Gesellschaft leistete. Während wir auf das Essen warteten, bastelteten die Jungen aus ihren Tischsets Raketen, die sie unter lautem Zischen immer wieder starten ließen (zum Glück waren wir zu dieser Zeit (und auch später :-)) die einzigen Gäste im Restaurant). Da wir doch etwas länger auf unser Essen warten mussten – vielleicht hätte ich unseren Besuch vorher anmelden sollen, denn die Köchin wurde vom Kellner schnell herbeitelefoniert – wollte unser Kellner Tamrat ein paar Worte auf Amharisch entlocken. Allerdings ohne Erfolg: Tamrat schaute ihn mit großen Augen an, nickte zwar manchmal schüchtern, aber ob er wirklich etwas verstanden hat, konnten wir nicht herausfinden. Am nächsten Tag meinte Tamrat jedoch, dass "der komische Mann" gestern "Quatsch-Wörter" gesagt habe und lachte sich dabei halb tot. Um 21 Uhr lag Tamrat schließlich glücklich, vollgegessen und sehr müde im Bett. Vor dem Einschlafen hatte er aber doch noch einen letzten Wunsch: Morgen wollte er wieder einen Tami-Tag haben.

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