Montag, 11. Oktober 2010

Hyänen auf dem Spielplatz

In unserer neuen großen Wohnung lassen sich Kindergeburtstage – zumindest der Kakao und Kuchen-Teil davon – jetzt ganz gut ausrichten. Das war das erfreuliche Fazit von Tamrats Feier mit Cousinen und Freunden am Samstag. Natürlich entspannte uns Eltern das schöne und warme Oktoberwetter an diesem Tag; war doch geplant, dass alle Kinder später im Viertel auf Schatzsuche gehen. Die zehn Kinder sonst irgendwie drinnen zu beschäftigen, hätte dann doch eine andere Planungsgrundlage ergeben.
So ließ sich alles gut an: Alle Geschenke wurden zunächst im Beisein aller Gäste ausgepackt, was die allgemeine Aufregung durch das stete Eintreffen der Gratulanten und dem damit verbundenen Lautstärkepegel auf ein allgemeinverträgliches Normalmaß senkte. Tamrat erhielt viele schöne Geschenke, u.a. Torwarthandschuhe, Freundschaftsbuch (scheint auch bei Jungen aktuell hoch im Kurs zu stehen) und ein Monopoly-Spiel mit kleinem Multifunktionsauto für Kinder. So kann Tami jetzt auch das Wesen des Kapitalismus kennenlernen: Auto fahren, Häuser bauen, Miete zahlen.
Dann wurde zu Tisch gebeten. Und bevor sich die Meute anschließend im Kinderzimmer an Spielsachen festbeißen konnte, drängten wir alle Kinder auch schon an die frische Luft – nicht ohne allen nochmal ein Besuch des Klos nahegelegt zu haben. Außerplanmäßige Klogänge bei Ausflügen udn Unternehmungen können alles ruinieren, zumindest aber
kolossal nerven! 
Ich hatte für zwei Gruppen zwei Schnitzeljagd-Wege vorbereitet – mit Zettelsuche und spielerischen Aufgaben –, deren beider Ziel „unser“ Spielplatz im Viertel war. Die endgültige Lage des Schatzes dort (inmitten eines waagerechten Kletterseil-Spinnennetzes) zeigte ein Foto, das aus allen unterwegs gesammelten Kartonstücken auf dem Spielplatz noch zusammengepuzzelt werden musste. Dann gab es kein Halten mehr und der Versuch eines fairen Verteilens der Beute – schließlich war alles vorher mengenmäßig gerecht abgezählt –, glich einem Kampf mit Hyänen. Danach waren alle Kids verschwunden und tobten sich auf dem Spielplatz aus. Einige Elternteile, die dabei geblieben waren, konnten sich dann endlich auch mal in Ruhe unterhalten. Nach und nach kam dann gegen 18 Uhr auch der Rest der Eltern zum Spielplatz, dem der Kindergeburtstag unseres Sohnes hoffentlich zu einem schönen kindfreien Nachmittag verholfen hat. Für uns ist die wichtigste Partyanstrengung im Kalenderjahr nun vorbei und wir freuen uns jetzt bis nächstes Jahr auch wieder auf ein paar kindfreie Nachmittagsstunden zur eigenen Verfügung. Darf man sich doch ruhig mal wünschen, oder? Noch liest das hier ja kein Kind und wäre beleidigt.

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