Auch wenn Stephanie ihre Klasse nicht bis zum Beginn der Sommerferien unterrichtet - oder vielleicht doch? - hat sie noch Korrekturen von einigen Klassenarbeiten noch vor der Brust. Während sie also den Sonntag nutzte, um zu korrigieren, quartierten Tamrat und ich uns von Pfingstsonntag auf -montag bei meinem Bruder in Alzenau/Oberfranken ein. Der Sonntagnachmittag nach unserer Ankunft stand ganz Zeichen eines freien Spiels der Kräfte mit Tamrats Cousins. Dafür fand am Montag das Highlight statt. Mit bereits länger schon für diesen Tag verabredeten, drei weiteren Familien fuhren wir früh zum Kletterwald Spessart bei Heigenbrücken. Dort bekamen diejenigen, die sich auf bestimmten Routen hoch in die Bäume zu klettern trauten, zuerst ihr "Gerödel" (Brust- und Sitzgurt-Kombination mit Helm) ausgehändigt. Während die Älteren und Größeren dann ihre technische Einweisung bekamen, wurden die kleineren Kinder ebenso professionell ausgerüstet. Für sie stand ein kindgerechter Parcour auf ca. einem halben Meter Höhe zum Begehen bereit. Ich entschloss mich, lieber für Tamrat und seinen beiden kleineren Cousins als Hilfestellung bereit zu stehen, falls es für das eine oder andere Teilstück doch zu schwierig würde. Aber alle stellten sich höchst geschickt beim Klettern und Balancieren und hatten viel Spaß mit Seileinklinken und Weiterhangeln. Kein Wunder, dass alle den Parcour am Ende gleich ein zweites Mal durchwanderten.
Später schlich ich mich mit meinem Bruder und einem von einem anderen Vater noch nicht zurückgegebenen Gurt und Helm dann doch mal in die großen Bäume. Mein lieber Scholli! Ist man doch vor rund 10 Jahren noch ohne viel Nachzudenken "in die Vollen" gegangen, drängen sich doch jetzt Gedanken über Materialqualität der Holzeinbauten, über TÜV-Zertifikate und über das allgemeine Verletzungsrisiko solcher "Aktionen" nach vorne. Wie auch immer: Hier und da kostet es doch etwas Überwindung, aber das Seilrutschen übers Tal - mit z.T. 280 Metern nach eigenen Angaben die höchste und längste Deutschlands - bietet ein irres Gefühl des Schwebens. Dabei hängt das Leben für kurze Zeit zwar nicht gerade am seidenen Faden, aber doch an stabilen Sicherungsseilen. Die Kinder standen zufällig unter uns und winkten uns zu. Dann aber war Schluss mit dem Seilgang und ich war froh, am Ende wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Unmittelbar daruf ging's zurück nach Düsseldorf. Tamrat hielt die Rückfahrt ohne Einzunickern durch. Zuhause müsste er noch alles haarklein Stephanie erzählen und die Bidler zeigen, bevor es wieder viel zu spät ins Bett ging. Ein schnelles Einschlafen war aber Wunschdenken, offensichtlich war noch zu viel Adrenalin im Blut.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen