Am letzten Wochenende haben wir ein befreundetes Pärchen besucht, das ebenfalls vor ca. 1 1/2 Jahren einen kleinen Jungen aus Äthiopien adoptiert hat. (Naol ist ein halbes Jahr jünger als Tamrat.) Die Idee zu diesem Besuch an diesem wettermäßig eher bescheidenen Samstag kam ganz spontan und ohne langes Abwägen, ob ein Besuch in einem fremden Zuhause Tamrat verunsichern könnte (zuvor war er nur zweimal woanders zu Besuch).Umso erleichterter waren wir daher, als wir beobachten konnten, wie er ohne Scheu die neue Umgebung auskundschaftete und das Spielzeug von Naol begutachtete bzw. zum Teil auch schon gleich in Beschlag nahm. Wie schön war es zu sehen, dass Tamrat ohne Probleme mit Naol Kontakt aufnahm, sich mit ihm "unterhielt", sie zusammen in der Kinderküche kochten (es gab Kastanien und Geschirr aus dem Ofen) und die beiden mit Klapperente (Naol) und Holzschaf und Krokodil an der Leine (Tamrat) hintereinander durch die Wohnung liefen. Naol, anfänglich leicht irritiert, dass Tamrat zwei Tiere ziehen wollte und für ihn nur eines übrig blieb, ließ ihm netterweise seinen Willen. Als er aber später dann auch mal zwei Tiere ziehen wollte, gab Tamrat ohne große Probleme nach und lief glücklich mit der Klapperente davon - nicht ohne vorher Naol beständig auf den Kopf zu tippen und "na" ("komm") zu rufen. Tamrat machte einen so gelösten und fröhlichen Eindruck - es war einfach toll! Auch später, bei einem kurzen Waldspaziergang, trippelten die beiden oftmals nebeneinander her und Tamrat wollte - ganz der Beschützer - schließlich Naol an der Hand halten. Dass die beiden so gut miteinander sein können, liegt möglicherweise daran, dass Tamrat generell lieber mit jüngeren Kindern zusammen ist (vielleicht hat er ja im Heim schlechte Erfahrungen mit älteren Kindern gemacht?), ich habe aber auch das Gefühl, dass er gespürt hat, dass Naol die gleiche Hautfarbe hat wie er. Auch wenn allgemein gesagt wird, dass zweijährige Kinder noch nicht bewusst zwischen unterschiedlichen Hautfarben differenzieren können, so glaube ich schon, dass unbewusst diese Gemeinsamkeit erfühlt wird.
In der nächsten Woche erwarten wir den Gegenbesuch - hoffentlich ist Naol dann auch noch sein Freund, wenn er seine Holzeisenbahn mit ihm teilen muss.

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