Montag, 16. Juni 2008

Zauber der Phantasie

Jetzt ist sie da, die Zeit für Pfarr-, Gemeinde- und Vereinsfeste - und damit auch für Schützenfeste. Und zu jedem Schützenfest gehört eine Kirmes. Stephanie und ich sind uns einig, dass Kirmesse für uns immer etwas traurig und abtörnend sind, sofern man sich nicht von Licht, Lärm, Duft und dem vielem Volk ablenken lässt. Für Kinder ist eine Kirmes im eigenen Stadtteil natürlich ein Jahreshighlight - war es bei mir früher auch. Unsere findet zurzeit in rund 300 Meter Luftlinie entfernt statt, was mich auch an früher erinnert. Da konnte ich als Teenie auch noch abends im Bett das Tuten (Chip einwerfen!) des Auto-Scooters hören. Seit über acht Jahren wohnen wir nun in unserem Stadtteil und waren noch nie auf dieser Schützenfest-Kirmes. Aber jetzt mit Kind lässt man sich wieder drauf ein und freut sich auf die neugierigen Blicke und das impulsive Zeigen („Da! Da!“) des Sohnemanns bei dieser (Wieder-)Entdeckungssuche. Mit der Sicht von knapp einem Meter über Bodenniveau und der ganz besonderen Atmosphäre um einen herum muss das alles gigantisch wirken. Und dann werden auch eigene Erinnerungen lebendig, in denen mir meine Oma als kleiner Junge ganze 5 Mark als „Schickermoos“ für den Rummel in die Hand gedrückt hat. Damals für mich eine Menge Geld; quasi ein Monatsgehalt an Taschengeld! Zurück in die Jetztzeit: Tamrat und ich hatten am Freitagnachmittag bereits eine Preview auf dem Kirmesplatz gemacht. Eigentlich wollten wir auf den gegenüber liegenden Spielplatz. Aber alles war schon aufgebaut und die Fahrgeschäfte konnten wohl schon benutzt werden, selbst wenn die offizielle Eröffung erst am Samstag war. Wir kamen gar nicht weit, da hatte das Kinder-Fahrgeschäft Zauber der Phantasie Tami in seinen Bann geschlagen. Verzauberung war sofort erfolgt! Schnell war klar, hier sollte es zu den ersten „Fahrstunden“ kommen; das war ja auch was anderes als diese langweiligen Auf-und-ab-Fahrzeuge bei Edeka oder REWE. Hier wurde man richtig gefahren; es ging hoch und runter und in die Kurven. Der erste Chip ging für das große Feuerwehrauto drauf, ein zweiter für einen Sportwagen. Bei letzterer Fahrt war Tami sogar ganz alleine auf dem Fahrgeschäft unterwegs. Ich hatte ihm zuvor eingeschärft, dass es kein Aussteigen gibt, bevor sein Gefährt anhält, und dass bis dahin Sitzenbleiben oberstes Gebot war. Er hielt sich dran und gab den souveränen Fahrer. Den ganzen Samstag über war nun - leider - überhaupt kein stabiles Wetter für die Kirmes. Und der gemeinsame Besuch am Sonntagnachmittag war auch nur kurz, da nach zweimal „Bootfahren“ der sonnige Zauber der Phantasie einer donnergrollenden, windigen und dunklen Regenfront wich, die uns zum schnellen Nachhausegehen bewog.
Jetzt liegen noch zwei schillernde Chip-Tickets bei Tami im Zimmer und das Versprechen gilt, dass sie heute noch verfahren werden, wenn ich gleich vom Büro nach Hause komme. Die Feuerwehr muss es nämlich nochmal sein! Am morgigen Dienstag endet die Kirmes dann gegen 22:30 mit einem großen Feuerwerk, das man sogar von unserem Balkon gut verfolgen kann. Bin gespannt, ob Tami dann noch schlafen kann, wenn es knallt und kracht...

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