Freitag, 18. Juli 2008

Döner, wat?

Nein, Doro Wot heißt das äthiopische Nationalgericht. Wobei Doro die Wot-Version mit Hühnchenbollen und gekochtem Ei bezeichnet. Das Gericht wird für mehrere Gäste auf einer großen Schale serviert, in der auf Injera-Brotfladen viele kleine Gemüse- und Fleischhäuflein liegen. Letztere sind mit z.T. scharfen Soßen angemacht. Injera ist ein weiches Fladenbrot aus Teffmehl-Sauerteig und Hauptbestandteil der äthiopischen Küche. Traditionell wird ein Stück vom Injera (als Fladen oder Rolle) abgezupft und die Speise darin eingewickelt. Um es für alle Ästheten deutlich zu sagen: Es wird mit den Fingern gegessen! Wer allerdings einmal Äthiopier Wot hat essen sehen, der ist beeindruckt, wie man dieses Gericht ohne sich zu bekleckern und ohne sich die Finger großartig „schmutzig“ zu machen, essen kann.
Gemeinsam mit unseren Solinger Freunden (mit Naol) sowie erstmalig Stephanies Freundin Frauke (mit Arne) trafen wir uns eben im Düsseldorfer Tiru-Restaurant zum geselligen Doro-Wot-Essen. Von Kellner Abeselom wurden wir herzlich begrüßt. Er rückte gleich zwei Tische zusammen und wollte besonders von uns beiden wissen, wie es in Äthiopien war. Abeselom hatte uns ja vor unserer Abreise nach Addis ein paar Brocken Amharisch beigebracht, um die Kontaktaufnahme mit Tami zu erleichtern. Dann fragte er Tami auf Amharisch nach seinem Namen, der aber mehr verwirrt als erschrocken reagierte. Man merkte aber an seiner Reaktion, dass die Sprache ihm wohl doch noch irgendwie bekannt vorkam. Er zog es aber vor, lieber weiter Kleinkind-Deutsch zu reden. Abeselom ist ein aufmerksamer Gastgeber und bevor wir einzeln uns die Hände waschen gingen, kam er mit einer großen Blech-Karaffe mit warmem Wasser, einer Schale mit kleinem Seifenstück und Handtuch. Reihum konnten wir uns am Platz ganz nobel die Finger waschen. Er stellte uns auch kleine Toastbrotscheibchen mit Berbere-Paste hin - als Appetit-Häppchen. Frauke wäre dieser fast vergangen, denn sie unterschätzte beim Auftragen aufs Brot die Schärfe dieser Paste, die man getrost als äthiopisches Chili bezeichnen kann. Gut, dass für alle original äthiopisches Bier „zum Löschen“ parat stand. An dieser Stelle ein Toast auf eine weltumspannende Logistik! Dann endlich wurden uns von der Wirtin im weißen, bunt bestickten Trachtkleid zwei große Schalen Doro Wot aufgetischt. Mit dem Injera und den Beilagen ging Tamrat recht selbstverständlich um, was den Verdacht nahelegt, dass er vorher sicherlich sowas auch schon mal gegessen hat. Wäre ja eigentlich auch nicht verwunderlich, denn die Pflegerinnen im Heim werden ihm abends kaum einen angerührten Vierfrüchte-Brei gegeben haben. (Blöd: Wir haben seinerzeit im Heim nur gefragt, was er im Einzelnen isst, nicht in welcher Form). Natürlich bekamen die Kids die weniger scharf gewürzten Beilagen zu essen. Arne, der ältere von den Kindern, konnte es erst nicht glauben, dass wir alle ausdrücklich mit den Fingern essen (mussten). Mit zwei, drei Versuchen, klappt es aber für jeden Neuling in der Regel recht gut, ein Stück Injera samt Beilage in den Mund zu bekommen und die Finger dabei einigermaßen sauber zu halten. Zu guter Letzt orderten wir Erwachsene noch eine Runde äthiopischen Kaffee. Aah, herrlich samtweich im Geschmack!
Alles in allem ein kulinarisch außergewöhnlicher Abend. Was auch gut ist; denn ich persönlich halte es hierbei wie mit Sushi: Ist beides wunderbar lecker, aber ich könnte es nicht jede Woche essen.
(Keine Kamera dabei, daher ein paar vergleichbare Bildmotive aus den Tiefen des Internets als - wie heißt es immer so schön? - Serviervorschlag)

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