Sonntag, 24. August 2008

Santiago de Niederrhein

Das kleine Städtchen Kevelaer am unteren Niederrhein ist Wallfahrtsort. Aber damit erschöpft sich auch schon die Gemeinsamkeit mit Santiago. Während seit dem Mittelalter im spanischen Compostela zum Grab des Hl. Jakobus’ gepilgert wird, ist Kevelaer seit 1642 eine „Anlaufstelle“ zur Marienverehrung. In einer kleinen, schön ausgeschmückten Kapelle ist in Kevelaer eine postkartengroße Darstellung der wundertätigen Muttergottes Ziel von Wallfahrern und Ausflüglern.
Da wir für die anstehende Taufe von Tamrat noch eine schöne Kerze benötigen, gingen wir dem Tipp einer Freundin nach, Kevelaer zu besuchen, da im Ort auch am Sonntag die Geschäfte für Pilgerutensilien, Kerzen und anderen religiösen Artikeln geöffnet hätten. Wir luden Opa und Oma ein mitzukommen.
In der Fußgängerzone, die mit ihren hübsch restaurierten Häusern direkt zur Hauptkirche und zur Wallfahrtskapelle führt, wurden wir in einem Geschäft fündig. Zum Glück fiel uns die Wahl einer Kerze leicht, auch Tami erteilte ihr „seinen Segen“. Es gab nämlich nur wenige Kerzen, die – sagen wir’s mal so – etwas moderner aussahen, insbesondere wenn der Täufling nicht mehr im Babyalter ist. Aber die Geschmäcker sind halt verschieden. Die kleinen Wachs-Buchstaben für den Namen müssen wir allerdings an der Kerze noch selbst anbringen.
Am großen Platz, wo die Hauptkirche und die Kapellen stehen, kann man an einer Stelle unter freiem Himmel Kerzen anzünden. Meine Mutter kaufte ein paar Kerzen, und gemeinsam mit Tami wurden sie eine nach der anderen angezündet und auf Halter am Kerzengestell gesteckt. Dabei ging Tamrat richtig andächtig zu Werke.
Während wir Erwachsenen in einem Straßencafé den Rest des Nachmittags verbrachten, war Tamrat fasziniert von den vielen ankommenden und wieder losfahrenden Motorrädern, deren Fahrer an diesem Sonntagnachmittag Kevelaer wohl auch als Ausflugsziel zum Kaffeetrinken gewählt hatten. Beim Motorradparkplatz, in Sichtweite zum Café, stand eine große Maschine aus Holz. Diese nahm Tami gleich in Beschlag, auch wenn eben – wie man sieht - seine Armlänge für ein verkehrssicheres Lenken noch nicht ganz ausreicht.

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