Samstag, 30. Juli 2011

Ausflug nach Debre Libanos

Rückdatiert: Die Gesetzmäßigkeiten des äthiopischen Wetters zur Regenzeit erschließen sich mir noch nicht so recht. Wir dachten, da es gestern Morgen geregnet hat und es am Nachmittag sonnig wurde, wäre dies heute auch so. Denn um 7 Uhr in der Früh schüttete es aus Kübeln, aber es klarte leider den gesamten Tag über nicht auf. Das wussten wir allerdings noch nicht, als wir nach dem Frühstück Amsalu, einen gut Deutsch sprechenden Äthiopier anriefen, um mit ihm im Jeep – er führt eine kleine Reiseagentur – einen Ausflug zu machen. Uns zog es nach Debre Libanos, einem Kloster, Gedenk- und Wallfahrtsort, rund zwei Autostunden nordwestlich von Addis. Bei unserer Ankunft hingen die Wolken tief und  feuchte Nebelschwaden zogen über den Vorplatz, das Museum und die Kirche, was dem Ort einen mystischen Charakter gab. Ein Englisch lispelnder älterer Äthiopier (Kirchenmann?) erklärte uns die Exponate des Klostermuseums und informierte über eine Gräueltat während der kurzen italienischen Besatzungszeit, als im Jahr 1937 1.600 Äthiopier einem Vergeltungsangriff zum Opfer fielen. Die Klosterkirche selbst ist ein moderner Bau von 1952 an historischer Stätte und besticht durch schöne Fensterglasmalereien.
Vom Vorplatz des Klosterkomplexes führte ein steiler Weg den Hang hinauf zu einer Eremitenquelle, aus der Heilwasser fließen soll. Der Pfad hinauf war gepflastert mit groben, rutschigen Steinen und an seinem Rand saßen kranke und sonstwie bedürftig ausschauende – zumeist ältere – Menschen. Die Quelle selber war unspektakulär; ein Nähern ohne Schuhe auszuziehen nicht erlaubt. Bei der Nässe und Kälte unterließen wir das und machten uns auf den nun viel beschwerlicheren Abstieg.
Wohlbehalten am Jeep wieder angekommen fuhren wir anschließend die 5 km zurück zur Hauptstraße und bogen nicht weit davon wieder ab zu einem Aussichtspunkt, der just heute keiner war. Von einem attraktiven Restaurant-Rundbau hätten wir ansonsten einen grandiosen Blick in eine Schlucht gehabt, in der tief unten ein Nebenfluss des Blauen Nils erkennbar gewesen wäre. Nun denn, der Ausblick fiel heute aus – von nur Sekunden währenden kleinen Wolkenlöchern mal abgesehen. Nun einmal hier, haben wir entspannt ein spätes Mittagsmahl bestellt, bestehend aus Injera mir vielen Beilagen, darunter auch Rote Beete. Superlecker! Dabei war es angenehm und zudem informativ, mit Fahrer Amsalu hier und während der Fahrt in Deutsch über Äthiopien allgemein und über kulturelle wie gesellschaftspolitische Themen dieses Landes zu sprechen. So erfuhren wir doch einiges über Land, Menschen und Gebräuche, was wir schon immer mal wissen wollten. Auch für Tamrat war es angenehm – wenn auch thematisch eher uninteressant –, dass Mama und Papa mal wieder lange auf Deutsch redeten. Er ist sonst von seiner Sprache etwas abgeschnitten. Viele sprechen ihn auf Amharisch an, worauf er nicht antworten kann. Und seine Eltern reden unentwegt mit Taxifahrern, Missionsbediensteten und Agenturrepräsentanten in Englisch. Da kann einem wirklich auch schon mal der Kopf schwirren…

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