Freitag, 29. Juli 2011

Erstaunliche Erkenntnisse

Rückdatiert: Oje, so spät wie heute werden wir demnächst wohl nicht mehr ins Bett gehen können. Banchia, so erfuhren wir heute beim zweiten Termin am frühen Vormittag im Heim, geruht um 18.30 Uhr ins Bett zu gehen. Wir erfuhren außerdem den Essrhythmus im Heim und bekamen noch ein paar Ernährungstipps: „Solid food in small pieces. She drinks from cup, no milkbottle!“ und mit leerer Blase und frischen Windeln soll sie sogar durchschlafen. Wow!

Während Stephanie mit Banchiayew auf dem Arm zuschaute, bauten Tamrat und ich sowie eine Gruppe technikversierter Heimjungs (um die 8 Jahre alt) nun das gestiftete ALDI-Tor auf. Das ging ratzfatz: Die Kids hatten das Steckprinzip auch ohne Aufbauanleitung sofort kapiert. Netz drumgeflochten, fertig! Einweihen konnten wir das Tor nicht, da es nun um 11 Uhr schon Mittagessen gab. Ich hatte sicherheitshalber noch die Plane mit den zwei Löchern zum Torwandschießen davorgeklippst, denn die Vize-Heimleiterin sah bei dem ganzen Aufbautreiben bedenklich drein. Insbesondere da Tamrat mit einem ebenso mitgebrachten nagelneuen Fußball schon wild herumkickte. Ich ermahnte ihn, das möglichst keine Scheiben zu Bruch gehen sollten. Tamrat hatte sich mit uns im Inneren des Wohntraktes das Zimmer angesehen, in dem Banchias bislang wohnte, zog es dann aber vor, nach draußen in den Hof zu gehen. Wir waren erfreut, dass das Heim auch im Inneren sehr sauber war und die Nannys allesamt sehr freundlich und liebevoll mit den Kleinkindern umgingen. Als sie hörten, dass wir praktizierende Christen – so nennt man das wohl – sind, waren sie hocherfreut und zeigten auf die schwungvoll an die Wand gemalten Bibelsprüche. 
Im Büro im Erdgeschoss gaben wir noch eine CD-Kopie des „Kidmia“-Kinderchores ab, deren amharisch gesungenen Kinderlieder und Abzählreime selbst heute bei Tamrat noch immer gut ankommen. Beim kurzen Reinhören auf ihrem Büro-PC (denn der DVD/CD-Spieler im Aufenthaltsraum war von den Kids geschrottet worden) hellte sich zum ersten Mal die Mine der jungen, aber bislang stets tough dreinblickenden Vize-Heimleiterin auf. Ah, da kamen wohl eigenen Kindheitserinnerungen auf. Auch der Rest der Staff sang oder summte mit. Na also, dann ist ja auch was für die Großen dabei...
Wir verabschiedeten uns bis Montag nach dem Gerichtstermin und Taxifahrer Habte sollte uns nun zum Bambis Supermarket an der Bole-Road bringen, wo wir ein paar Vorräte kaufen wollten. Schließlich wussten wir ja nun, worauf unsere Banchia Hunger hat, wo sie ja eben hauptsächlich schon feste Nahrung gewöhnt ist. Der italienisch geführte Supermarkt bietet viele Import-, Frisch- und Fleischwaren und sonstige Lebensmittel, die man als hygienisch verlässlich einstufen kann.
Den Rest des Nachmittages haben wir auf unserer Terrasse in der warmen Sonne gesessen, die am frühen Nachmittag von einem sommerlichen Himmel schien. Tamrat ging schließlich nach vorne zur großen Wiese und spielte Fußball mit Debbi, Ruti und ihrer Cousine Shailtu. Die Mädels sind überraschenderweise gut und gehen ehrgeizig in die Zweikämpfe. Da staunte selbst Tami. Später kamen neben Stephanie und mir noch ein paar ältere Äthiopier (Gäste und/oder Bedienstete?) und es wurde bis zur Erschöpfung gekickt. Mein Herz pocht und das Atmen fällt schwer. Kein Wunder, wenn man sich unakklimatisiert auf 2.000 Meter über dem Meeresspiegel sportlich betätigt. Nach dem ersten selbstgekochten Abendessen waren wir alle drei stehend K.O. und reif fürs Bett. Morgen machen wir vielleicht einen Ausflug – mal sehen, was das Wetter sagt.

Keine Kommentare: