Mittwoch, 1. August 2012

Ein Jahr zu viert

Du liebe Güte, wie kurz doch ein Jahr ist. Unsere kleine Banchiayew ist seit heute exakt 365 Tage unsere Tochter. Letztes Jahr wurde sie uns am 1. August vom äthiopischen Familiengericht in Addis zugesprochen. Und wie bei Tamrat, wird dieses Datum künftig auch bei uns als »Banchia-Tag« stets im Kalender stehen.
Sieht man sich ihre Fortschritte an, ist es unglaublich, wie schnell sich Kinder entwickeln können. Seit mehreren Monaten spricht sie gut und für ihr Alter viel und deutlich. In ihrem Verhalten kann man hin und wieder klar erkennen, dass sie einen großen Bruder hat. Es ist herrlich, wenn sie Tamrat in Aussprache und seiner Großspurigkeit zu imitieren versucht. Tamrat ist ihr schon sehr wichtig. Sie will immer wissen, wo er ist. Und selbst bei übelstem Necken und Piesacken: sie trägt ihm nichts nach. Aber auch Tamrat liebt seine kleine Schwester und kann äußerst liebevoll mit ihr umgehen. Für beide ist es was Schönes, sich zu haben, so viel steht fest.
Alles wunderbare Gründe, einen Tag wie diesen auch zu feiern. Wie beim Tami-Tag (29. Januar) beginnt der Tag mit einem Kuchen und kleinen Geschenken und abends mit einem Familienessen im äthiopischen Restaurant. Und weil noch Ferien sind und allerschönstes Sommerwetter herrschte, haben wir heute eine Wanderung im Bergischen Land gemacht, inklusive Picknick im Grünen. Tamrat maulte zuerst ob der blöden Lauferei, aber zur Hälfte der Strecke hatte er sich damit abgefunden und am Ende hatte es ihm sogar Spaß gemacht. Klar, zwischendurch immer mal wieder mit Stock auf Brennnesseln einzupeitschen gibt der ganzen Lauferei irgendwie auch eine sportliche Note.
Banchia war – wenn sie grad nicht mal selber laufen wollte – bei Stephanie in der Rückentrage (Ergo-Baby). Am Abend waren wir dann natürlich alle sehr hungrig. Im relativ neu eröffneten Lucy Abyssinia (vormals Tiru) setzten wir uns in den kleinen „Biergarten“ und waren an diesem frühen Abend sogar die einzigen Gäste. Am Ende unseres Mahls war der junge Besitzer (und gleichzeitig unsere sehr zuvorkommende Bedienung) hellauf begeistert, wie blank geputzt wir die große Injera-Platte hinterließen. Tami hatte nicht ein Fitzelchen übrig gelassen! Wir Eltern ließen uns noch einen wohlschmeckenden äthiopischen Kaffee servieren, bevor wir uns müde und satt nach Hause begaben. Dort sahen wir, dass Banchias schönes weißes Kleid dieses ausgiebige Finger-Food sogar weitestgehend unbefleckt „überlebt“ hat. Wie schön!

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