Mittwoch, 30. Januar 2008

Der erste Tag als Familie

Rückdatiert: Die erste Nacht zusammen in einem Schlafzimmer verlief sehr ruhig. Tamrat schlief durch und wir wurden morgens zeitgleich wach. Na, für ihn war das ja gestern genauso ein heftiger Tag wie für uns. Nach dem Frühstück trafen wir unsere Sozialarbeiterin vor der Deutschen Botschaft in Addis, um die Visumformalitäten für Tamrat zu erledigen. Dass die aus Düsseldorf von der Ausländerbehörde mitgebrachten Papiere noch auf den Namen Tamirat liefen, war zum Glück kein Problem, das Visum würde rechtzeitig bis zum Abflug fertig werden. Den Rest des Vormittages verbrachten wir im schönen Garten der Mission. Erste Erkenntnis: Tamrat ist eine Wasserratte; er fand einen Gartenschlauch und ehe man sich versah, hatte er den Kran schon aufgedreht und wässerte das Terrain - und sich gleich mit. Für den Nachmittag hatte unsere Sozialarbeiterin ein Treffen mit Tamrats Mutter im Kinderheim arrangiert, aber sie erschien leider nicht. Unser Adoptivsohn ist übrigens erst der vierte Fall unseres Adoptionsvermittlers, der kein Waisen- oder Findelkind ist. Wahrscheinlich war der noch jungen Mutter das Zeitfenster, zwischen Arbeit (morgens) und Studium (abends) zu knapp. Um 16:30 Uhr sind wir schließlich ein wenig enttäuscht gefahren, nicht ohne uns vorher das Areal des Heimes nochmal angesehen und dem Leiter unsere mitgebrachte Kinderkleidung und die gesammelten Spielsachen übergeben zu haben. Ich hatte vom Heimleiter die Erlaubnis, den großen Eimer mit Mini-Gummibärchen direkt an alle anwesenden Kinder und Jugendliche zu verteilen. Manche der Tütchen sollte ich sogar in den ersten Stock des Hauptgebäudes werfen. Es hatte etwas von Karneval an sich, was ja zeitlich auch hinkommt. Wir tranken mit unserer Sozialarbeiterin in einem Straßencafé in der Nähe unserer Unterkunft noch einen leckeren äthiopischen Kaffee. Für Tamrat gab’s eine knallorangefarbene Mirinda. Er konnte aus sicherer Entfernung (die Veranda des Cafés war von einem Zaun umgeben) den tosenden Verkehr auf der Ambo Road verfolgen. Dort fahren in einer Minute wohl soviel Fahrzeuge vorbei, wie auf unserer Straße in Düsseldorf im ganzen Monat nicht. Auch wenn die reine Menge an Vehikeln – davon manche über 40 Jahre alt – schon beeindruckend ist, für Tamrat gilt das offensichtlich nicht: Er warf seinen kleinen Ball einfach auf die Straße und wollte ihm nachrennen. Verkehrserziehung wird also ein überlebenswichtiges Thema werden.

2 Kommentare:

RouvenKasten hat gesagt…

Hi Robert, den kleinen kannst Du in 4 Jahren zu mir schicken, dann bringe ich der Wasserratte erstmal das Segeln bei.

PS: Coole Schuhe hat er!

Rouven

Anonym hat gesagt…

Na Mensch, da bleibt mir ja nur noch herzlich zu gratulieren!
Ruck-Zuck zum Elternpaar gekürt ohne den Schmutz und Töpfchentraining ;-)

Ich glaube es kann niemand nachvollziehen, was ihr jetzt erleben dürft, schön, dass ihr euch entschlossen habt, das mit der Welt zu teilen.
Ich halte euch die Daumen für ein erfolgreiches Upgrade auf Family 2.1!

Have fun & keep posting!
Grüsse aus dem Süden,

Michael