Rückdatiert: Mulu ist wirklich eine Seele von einer Küchenfee. Sie verwöhnt uns mit abwechslungsreichen Gerichten. Bis auf das Frühstück, u.a. mit selbstgebackenem Brot, selbstgemachter Marmelade und frischen Papayas, sind wir die einzigen, die zu Mittag und zu Abend in der Mission essen. So deckt sie für Tamy Extratellerchen und Becher ein. Tamrat isst eigentlich fast alles, noch mehr wird getrunken. Es wird Wasser, Fruchtsaft und Milch runtergekippt, als ob es kein Morgen gäbe. Da Mulus Speiseplan sich sehr nah an unserem europäischen ausrichtet, konnten wir schon gut austesten, was Tamrats Favoriten sind. Nudeln gehen natürlich immer, viele Gemüsesorten werden auch nicht zurückgewiesen und natürlich dabbo (Brot). Fleisch ist etwas schwierig, was vielleicht daran liegt, dass die Kinder es im Heim wohl selten bekommen. Aber ihm zuzusehen, wie Tamy Stücke mitgebrachten Brandt-Zwiebacks in einen Teller voll Milch mit der Hand einweicht und sich in den Mund stopft ist wirklich rührend: Er macht das so hingebungsvoll und ohne viel Schlabbern. Wir sind gespannt, ob sich diese Essgewohnheiten nach Deutschland hinüberretten lassen... Ich hatte für 10 Uhr ein Taxi zu einem Festpreis bestellt, dass uns den Bergzug des Mount Entoto hinauffährt. Stephanie hat ja bis auf die Taxifahrt vom Flughafen, zum Heim und zur Botschaft noch nicht viel gesehen. Das eine Highlight ist natürlich die Aussicht vom Entoto samt Besuch des heiligen Bezirkes mit der Kirche und dem schmucklosen, profanen Palast von Kaiser Menelik (erbaut um 1885), sowie das Museum mit Exponaten von ihm und seiner Gattin. Das andere, was auch noch auf dem Plan steht ist ein Besuch des Mercatos, des großen Marktes. Efrems, unseres Taxifahrers, ganzer Stolz war sein 87er Lada-Taxi aus den Niederlanden – natürlich in lokaler Taxifarbe blau-weiß lackiert. Trotz gutem Zustand musste auf der Hälfte der stetig ansteigenden Straße Kühlwasser nachgekippt werden. Tamrat genoss die Fahrt; er schaute stehend auf der Rückbank aus dem halb geöffneten Fenster und winkte den Leuten zu. In einigen Kurven und dort wo der Eukalyptus-Wald abgeholzt war, konnte man bereits sehr schöne Blicke auf die „Neue Blume“ (= Addis Abeba) genießen. Den schönsten Blick hatten wir aber von einem Viewpoint, den uns Efrem bei einer alten Ruine aus Meneliks Zeiten zeigte - hinter dem Kirchenbezirk etwas weiter die Straße hinauf. Ein paar Jungs um die 12 Jahre, die uns vom Parkplatz folgten, gaben uns in gutem, flüssigem Englisch sehr belesen und informiert den Fremdenführer, wofür ich gerne ein paar Birr gab. Tamrat ist das alles völlig schnuppe. Er läuft gut mit oder lässt sich tragen, solange keine Esel, Schafe oder Katzen in sein Blickfeld kommen. Diese müssen dann natürlich bestaunt werden.
Den Nachmittag über spielte Tamrat mit seinen neuen Freundinnen, Dibora und Ruti, den Kindern von Köchin Mulu. Insbesondere Dibora (7 J.) kümmert sich sehr nett um Tamrat und schiebt ihn entweder auf einem alten abgerockten Dreirad, lenkungslosen Trecker oder einem antriebslosen Kinderfahrrad über die Wege der Anlage - mein Rücken ist ihr ewig dankbar. Das gefällt ihm sehr und auch die zuerst schüchterne kleine Ruti (1,5 J.) taute richtig auf, denn Tamy zeigte sich etwas behäbiger im Umgang mit ihr mit der quirligen großen Schwester. Natürlich müssen Ababa und Amama zwischendurch auch mal ran und sich in der Sandkiste oder beim Schieben als frischgebackene Eltern beweisen. Das Verteilen von deutschen Butterkeksen, Gummibärchen, Salzstangen und Schokoladeriegeln an die drei Kids verschaffte uns immer wieder eine kleine Verschnaufpause. Schade, dass sich Tamrat von seinen neuen Freundinnen in ein paar Tagen wieder verabschieden muss. Es war so schön, ihn schon mal beim Spielen unter „Seinesgleichen“ zuzusehen, auch wenn das ehrlicherweise zwischendurch nicht ganz konfliktfrei ablief.

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