Rückdatiert: Tami ist ein tapferes Kerlchen. Bis zum Abflug von Flug ET 706 um kurz vor Mitternacht blieb er wach und ruhig. Ein Mitarbeiter der Mission nahm uns um 21 Uhr mit seinem großen Jeep mit zum Flughafen. Obwohl wir gute zwei Stunden vorher am Airport waren: mit Gepäck- und Personenkontrolle, Einchecken, Ausreisekarte ausfüllen, Passkontrolle, erneute Personenkontrolle, Bordkartenkontrolle und schließlich Bustransfer zum Flieger war die Zeit nicht zu groß bemessen. Als es dann zum Take-Off ans Anlegen des Gurtes ging, musste Tamrat kurz allen im Flugzeug lauthals Bescheid geben, dass er mit an Bord ist. Er wehrte sich mit Zähnen, Klauen und Tränen gegen die in seinen Augen wohl völlig unnötige Fixierung seines Körpers. Unmittelbar nachdem die Reiseflughöhe erreicht wurde, fiel er dann für längere Zeit in Schlaf. Das Flugzeug war zum Glück nicht ausgebucht und wir verfügten über luxuriöse fünf (3+2) Sitze, so dass wir Eltern uns beim Schlafen und Wachen abwechseln konnten. Ab Frankfurt ging es dann nochmal mit dem ICE weiter und darin war es frühmorgens ruhiger als im Flugzeug, wo andauernd etwas serviert, nachgeschänkt oder abgeräumt wurde.Die erste Fahrt in einem Zug war für Tami nichts Besonderes. Rausgucken ging nicht, es war hier in Deutschland noch stockduster. Er klapperte viel lieber mit dem Müllfachdeckel herum und wollte immerzu auf den Tisch klettern. Nach anderthalb Stunden Fahrt und einem schnellen Taxitrip vom Bahnhof kamen wir dann endlich zu dritt um 8 Uhr morgens in unserer Straße an. Überraschend war der liebevolle Empfang auf dem Treppenabsatz vor unserer Wohnungstür. Eine Freundin von Stephanie hatte sich mit ihrem Mann vorher Zutritt zum Treppenhaus verschafft und auf die Wohnungstür ein großes Plakat mit „Herzlich Willkommen zu Hause!“ geklebt und eine Luftballongirlande gespannt. Tamrat war gleich hocherfreut. Ich aktivierte meine VideoCam und filmte Tami beim Erkunden seines Zimmers und dem Rest der Wohnung. Er lachte andauernd und war ganz aufgedreht. Unglaublich, wo er doch nur so wenig geschlafen hatte. Wir retteten ihn noch durch bis Mittag und dann gab’s für ihn einen langen Mittagsschlaf. So, ab jetzt beginnt eine neue Zeitrechnung.

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