Man kann nicht sagen, dass wir zu wenig Zeit zum Schlafen haben, und dennoch sind Stephanie und ich am Ende des Tages total erschöpft. Manchmal reicht's nicht mal bis zur Wetterkarte des heute journals die Augen offen zu halten. Dabei beginnt unser Tag zeitlich relativ "human": Tami geht um 20 Uhr abends ins Bett, schläft durch und kommt morgens zwischen 7 und halb 8 mit seinem Kuscheltier vorsichtig in unser Schlafzimmer getapst. Er macht dann als Erstes unsere beiden Nachttischlampen mehrmals an und aus - ich kann mir vorstellen, unsanfter geweckt zu werden. Zwar hören wir ihn schon vor 7 in seinem Zimmer vor sich hin kruscheln, aber dass er nach dem Aufwachen nicht gleich lauthals nach uns schreit, rechnen wir ihm hoch an. Bis zu seinem Mittagsschlaf sind es dann gute fünf Stunden und ich denke immer, wie bekommt man die nur rum. Am Nachmittag dann nochmal rund fünf Stunden. Aber ruckzuck ist der Tag vorüber; man findet sich kurz nach 20 Uhr auf der Couch im Wohnzimmer ein und denkt: Wahnsinn, wie die Zeit vergangen ist! Auch dass ich zu allen drei Mahlzeiten am Tag einen Riesenhunger habe, verwundert mich. Wo werden denn die ganzen Kilojoule verbrannt? Etwa beim Laufen mit weniger als 5 km/h zum Spielplatz, beim Bummeln mit dem Buggy am Rheindeich oder beim Schlendern durch den Wildpark? Raubt das tägliche Kochen, das Helfen beim Essen und das anschließende Saubermachen doch so viel Kraft? Zum Glück klappt es (noch) mit dem Mittagsschlaf. So bekommen Stephanie und ich gute zwei Stunden Pause geschenkt, um ein paar Dinge tagsüber bereits erledigen zu können, wofür abends die Konzentration garantiert nicht mehr ausreichen würde. Auch wenn es beharrlicher Überredungskunst bedarf, den kleinen Mann dauerhaft im Bett zu halten. Solange er dann aber ausgeglichen bis zum Abendbrot durchhält, ertrage ich den erhöhten Stresspegel dafür gern. Ich drücke Stephanie beide Daumen, dass sie das zukünftig alleine aushält und die Ausdauer aufbringt, mit unserem Liebling den Tag zu gestalten. Denn für mich beginnt nächste Woche der Job wieder. Ich bin gespannt, wie ich das dann konstitutionell geregelt bekomme. Nach rund drei Wochen "Urlaub" zu Hause geht es dann Vollzeit zurück ins Büro. Es bedrückt mich schon jetzt, Tamrat den Tag über in der Woche nicht mehr zu sehen und seine Fortschritte nicht direkt mitzubekommen. Gerade in dieser letzten Woche hat sich in der Beziehung zwischen mir und Tami sehr viel Schönes entwickelt. Ich hatte vorher das Gefühl, dass er mit dem "Programmangebot Mutter" mehr anfangen konnte: Hochgehoben, geküsst oder gewickelt zu werden war anscheinend bei Stephanie nicht so schwer zuzulassen. Bei mir sah es etwas anders aus: Irgendwie traute er mir als männliche Person derartige Umsorgungen und Zärtlichkeiten wohl nicht zu. Zwar verhielt er sich nicht abweisend, aber eben auch mir nicht gerade aktiv zugewandt. Das hat sich jetzt - hoffentlich dauerhaft - verändert. Tami will jetzt schon mal explizit mit mir spielen oder von mir etwas gezeigt oder gebracht bekommen. Und er mag es jetzt auch von mir ausgelassen geknuddelt und geherzt zu werden. Gibt es eine schönere "Belohnung" fürs abendliche Ausgepowertsein?

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