(Rückdatiert) Na, das ist ein Ding: Nach dem heftigen Gewitter gestern war der Himmel heute morgen blankgeputzt und strahlte in kräftigem Blau. Die Temperaturen waren um 8 Uhr bereits ordentlich hoch. Eine schöne Überraschung vom Wettergott zum Abschied! Die nächste Überraschung stellte sich nach dem Frühstück heraus: Die fünfköpfige deutsche Familie, die auf der Mission wohnt und sie leitet, war aus dem Sommerurlaub in Deutschland zurückgekehrt. Wir machten uns kurz bekannt und Tamrat wurde von den drei Jungs (3, 10 und 12 Jahre) sofort in Beschlag genommen. Das war uns nur Recht, denn so konnten wir in Ruhe unsere Sachen zusammentragen und in die Koffer packen. Trotz der erstandenen Souvenirs konnten wir unser Gepäckvolumen gegenüber dem Hinflug halbieren und kamen nun mit drei Koffern aus.
Aus den Resten im Kühlschrank machten wir uns die letzte Gemüse-Tomatensauce für unsere Spaghetti. Dann kamen die Jungs vorbei und luden Tamrat ein, in deren Wohnhaus mit LEGO und Palymobil zu spielen. Das war ganz nach seinem Geschmack - und unserem! Denn Stephanie und ich wollten mit Banchia nochmal mit dem Taxi zur Piazza fahren, um dort in den zahlreichen Schmuckläden noch zwei dieser besonders gearbeiteten äthiopischen Silberkreuze zu kaufen. Banchia weilte diesem Ausflug im Ergobaby teilnahmslos bei, während wir in ein paar ansprechende Läden hineinschauten und auch relativ schnell fündig wurden. Die Kreuz und ein Anhänger wurden jedes Mal auf einer Briefwaage ausgewogen, mit dem aktuellen Silberpreis malgenommen und mit einem Steueraufschlag versehen. Am Ende kam ein umgerechnet derart niedriger Preis heraus, der einen zweifeln ließ, ob alles Metall auch wirklich durch und durch Silber ist. Egal, für uns fiel das alles unter Souvenir und eben nicht unter Wertanlage.
Mit dem Taxi ließen wir uns nur bis oben vor's Lambe Café bringen. Und bevor wir runter zum Missionseinang gingen, lud ich Stephanie noch auf einen schnellen Macchiato ein, mit dem wir quasi auf eine gute Heimreise anstießen. Ein Kuchenstück "schenkten" wir uns diesmal, da sich sonst Banchia wieder lautstark zum Mitessen gemeldet hätte. Wir wollten die Zuckerration mal ein wenig drosseln, der Pickel und der Verdauung wegen. Banchia interessierte sich diesmal auch vielmehr für die beiden kleinen mageren Katzen, die sich ins Café stehlen und unter den Tischen die Krümel auflecken. Bei Hunden - wie den dreien auf der Mission - ruft Banchia immer laut und energisch "Ab!" entgegen. Das hatte sie von Tamrat sich "abgehört", der damit besonders den verspielten und etwas zudringlichen Hund Simson auf Distanz hielt.
Tamrat hatte uns derweil nicht vermisst; wir trafen ihn Fußball spielend - was sonst? - auf der Wiese an. Sein letztes Match in Addis war in vollem Gange. Dann wurde es auch schon Zeit für eine letzte kleine Stärkung bevor uns Getu, unser Taxipirat, im Auftrag unserer Agentur vor Ort um 19.30 Uhr einlud und uns zum Flughafen brachte.
Zuvor haben wir uns natürlich von unserer lieben Küchen- und Missionsfee Mulu, ihrem Mann, ihren Mädchen sowie den anwesenden Angestellten verabschiedet. Es tut schon weh zu wissen, dass ein Wiedersehen sicher nicht vor fünf Jahren geschehen wird. Was wird dann sein? Wer wird dann da sein? Zukunft geht in Äthiopien gerade mal bis zur nächsten Straßenecke.
Im Taxi durchs dunkle Addis kreisten schließlich unsere Gedanken darum, Tamrat und besonders Banchiayew eine gute Rückreise zu ermöglichen - soweit wir darauf Einfluss nehmen konnten. Nach all den Secrurity-Checks und Passkontrollen lag der planmäßige Abflug um 22.40 Uhr nicht mehr allzu fern. Doch Vorsicht, wir sind in Afrika! Bis das Gate zum angedockten Flugzeug sich öffnete, hatte sich schon eine halbe Stunde Verspätung angesammelt. Zum Glück wurden Familien mit Kindern beim Boarding der Vortritt gelassen. Wir bekamen durch die frühzeitige Reservierung die erste Reihe hinter der Business-Class mit drei Sitzen nebeneinander, was für mich mehr Beinfreiheit und später für Banchia ausreichend Bodenfreiheit für ihren Nachtschlaf bedeuten sollte. Seit der Ankunft im Terminal schlief sie still im Ergobaby, nur unterbrochen durch das zusätzliche Anschnallen beim Start. Banchia ließ sich aber von der umständlichen Prozedur und dem folgenden Start nicht viel anmerken. Dann machten wir es Tamrat quer auf den Sitzen gemütlich und wir betteten Banchiayew in Fleecedecken und mit Lufthansa-Kopfkissen auf den Boden. Denn dieses vorgemerkte Kinderbettchen war jetzt irgendwie doch nicht anzubringen, dort wo es eigentlich vorgesehen war. Wie doof ist das denn, bitteschön?! Naja, es ging ja auch so. Beide Kinder schliefen glücklicherweise bis kurz vor dem Landeanflug, als es an Bord wieder heller und geschäftiger und damit lauter zuging. Stephanie und ich konnten ein bisschen dösen, aber ein Blick und ein Ohr gehörte doch immer beiden Kindern, was einen erholsamen Tiefschlaf ausschloss.


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