(Rückdatiert) Komme gerade mit Tamrat vom Video gucken im Küchenhaus zurück. Ich sagte ihm bereits, dass dieses und andere tägliche Schmankerln bei Touchdown in Frankfurt am Sonntag morgen vorbei sein werden. Dann gilt wieder das herkömmliche Familienprogramm, bei dem der Konsum von TV/DVD, Süßigkeiten und Limonade auf ein verträgliches Maß und nur bei guter Führung zurückgefahren wird. Mal sehen, ob diese Umstellung gelingt, oder ob schon Dämme gebrochen sind.
Der Tag begann mit der Fahrt zur Botschaft, um Banchias Pass mit dem Visum abzuholen. Zum Glück brauchten wir nicht wieder mit hinein und warteten vor dem Tor, bis unser Agentur-Repräsentant die Sache für uns drinnen erledigt hatte. Danach wollten wir zur Koreanischen Klink (eine Empfehlung), da sich Banchiayew heute Nacht ab 3 Uhr aufwachte und sich mit den Füßen schrubbelte und sich immer wieder dort auch heftig kratzte. Die Pickelchen, die sie dort hatte, schienen nach den ersten Tagen nun doch verstärkt zu jucken. Wir versuchten es aus der Familienapotheke mit einer Anti-Juckreiz-Creme, aber nicht recht mit Erfolg. Erst nachdem wir sie in unser Bett geholt hatten, wurde sie vom andauernden Kratzen müde und schlief ein.
Noch in der Nacht beschlossen Stephanie und ich, am letzten Tag dennoch eine Klinik/einen Arzt aufzusuchen. Denn wer weiß, was es ist und ob deutsche Hautärzte das verpickelte Hautbild richtig interpretieren. Nachdem wir also den Pass und andere Urkunden in den Händen hielten, brachte uns unser Mittelsmann zunächst zum Lufthansa-Büro, wo wir unsere Flüge und ein Bord-Bettchen für Banchiayew reservierten. Zur Klinik weiter wollte man uns nicht bringen, da dieses Ziel nicht im Bring-Service enthalten sei. Nun gut, fuhren wir halt mit einem Taxi weiter zur Klinik, die einen überraschend guten und modernen Eindruck machte. Dummerweise war gerade Mittagszeit und kein Counter besetzt. Lediglich ein einfacher Anmeldezettel wurde uns ausgestellt. Dann aber konnten wir beim wiederbesetzten "Schalter für Selbstzahler und Ausländer" unseren Behandlungswunsch vorbringen und wurden nach Cash-Zahlung von 150 Birr auch sofort durchgeschleust zu einem Kinderarzt. Seine Diagnose: Krätze sei es nicht, dazu seien die Pickel zu lokal und nicht an den üblichen Stellen am Körper zu finden. Er mutmaßte vielmehr eine Allergie auf bestimmte Lebensmittel bzw. Stoffe, wie z.B. Zucker. Nun gut, die tägliche Zuckerdosis ist bei Banchia, seit sie aus dem Heim ist, sicher etwas gestiegen. Nicht, dass wir sie mit Schokolade vollgestopft hätten, aber die morgendlichen Marmeladebrote und kleinen Kekse zwischendurch sind sicher in toto mehr Süßes, als sie je vorher hatte. Somit wäre die Diagnose durchaus nachvollziehbar, denn die ersten Tage bei uns hatte sie sich nicht gekratzt. Der Doc verschrieb uns eine Salbe gegen Juckreiz, die wir auf dem Rückweg zur Mission in einerApotheke (Pharmacy) kauften.
Nach einem verspäteten Mittagessen fuhr ich per Mini-Bus nochmal alleine zur Churchill Road, um an unserem letzten kompletten Tag die paar Sachen einzukaufen, die wir beim ersten Besuch schon Mal ins Auge gefasst hatten. Während ich in einem Souk handelte, entlud sich draußen ein Regenguss, der der heftigste seit unserer Ankunft war. Es kamen sogar pfefferkorngroße Hagelstücke herunter. Ich dachte kurz mitleidig an die armen Leute, die in Addis auf primitivster Weise unter ein paar löchrigen Planen auf der Straße leben.
Als ich aus dem Laden kam - es war glücklicherweise meine letzte Station - war der Verkehr zusammengebrochen, da auf den Straßen noch das Wasser stand bzw. schleppend ablief. Meine Bemühungen, an der Piazza einen Platz in einem Mini-Bus zurück zu ergattern, scheiterten. Und ich sah meine Souvenirs - darunter ein gerolltes Bild - beim Kampf um die Sitzplätze bei jedem einrollenden Wagen in Gefahr übel zerknautscht zu werden. Ich hatte es schließlich aufgegeben, auf einen Mini-Bus zu warten, denn nur ein Einheimischer weiß, welche "Linie" sie bedienen. Ich dagegen musste jedes mal umständlich fragen. Eine ältere Frau, die in dieselbe Richtung wollte wie ich, warnte mich vor Taschendieben. Jaja, damit hatte ich bereits schlechte Erfahrungen gemacht. Ich machte ihr deutlich, dass ich jetzt ein Taxi nehmen werde und ich sie einlade, bis Höhe Lambe Café gerne mitzufahren. Sie nahm dankbar an, denn es war immer noch ein heilloses Durcheinander auf den Straßen. Dabei erfuhr ich dann auch mal den wohl einheimischen Taxitarif, den die Frau aushandelte: Nur 40 Birr, statt der 80-100 Birr, die wir bezahlen mussten für die übliche Strecke. Für das Geld umgerechnet darf man in Deutschland noch nicht einmal im Taxi Platz nehmen. Naja, kurbeln wir halt das örtliche Taxigewerbe an, und wenn das Geld letztlich über rechtzeitige Ersatzteile in die Sicherheit der Taxis fließt, haben alle was davon. Bei manchem "Seelenverkäufer" an Uralt-Lada, mit dem wir unterwegs waren, wünscht man sich das, sieht man, wie der Fahrer bei jedem Bremsmanöver das Pedal bearbeitet, als gelte es eine Wassermelone zu zertreten. Zum Glück wird ja auf den vollgestopften Straßen eng an- bzw. nebeneinanderher und dabei nicht schneller als 30 bis 40 km/h gefahren. Da würde ein Aufprall nicht gerade schwerwiegende Folgen haben. Krass, wir das Land das Denken bestimmt.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen