Samstag, 6. August 2011

Deutsches Reinheitsgebot

(Rückdatiert) Um mal wieder was vor dem Missionstor erleben zu wollen, wenngleich auch Ziele zur Zerstreuung in Addis recht selten gesät sind, entschlossen wir uns mit Taxifahrer Habte aus Lust und Laune heraus am Nachmittag ein Einkaufscenter in Downtown Addis zu besuchen. Die relativ neue Friendship Mall an der Bole Road ist im Vergleich zu deutschen Shopping-Malls klein und übersichtlich; ihre wenigen Läden auf drei Etagen waren schnell abgelaufen. Vieles vom Angebot her wirkte in unseren Augen aber von billiger Herkunft und uninspiriert präsentiert. Aber das Sortiment schien für Addis' Upper Class - und die war reichlich vertreten - anscheinend durchaus ansprechend zu sein. 
Banchia saß im Tragegurt auf meinen Rücken, war ruhig und zufrieden. Im Tiefgeschoss standen Frauen hinter ein paar Souvenirtheken vornehmlich belegt und behängt mit Kleidung und Stoffen. Wir kaufen ein paar T-Shirts, die wir auf der Churchill Road so nicht gesehen hatten. Taxifahrer Habte wartete derweil draußen und während wir wieder bei ihm einstiegen fragte ich ihn, ob das Brauhaus denn nicht hier in der Nähe sei, das ein in Deutschland studierter Äthiopier hier in Addis betreibt. Ja, es sei nur um die Ecke. Na, dann nichts wie hin. Stephanie verzog etwas die Miene und fragte, was wir da mit zwei kleinen Kinder sollten, aber ich hatte vom German Beer Inn mal in einem SPIEGEL-Artikel gelesen, wollte es mir mal ansehen und - wo wir nun schon mal da waren - eine Kostprobe nehmen. Es fing sowieso gerade wieder an zu regnen, da kann man ja mal ruhig irgendwo einkehren. 
Als wir das Brauhaus betraten war es proppevoll mit Menschen, die am Samstagnachmittag es sich bei Schnitzel, Krautsalat und naturtrübem Bier gemütlich machten. Der Lärmpegel war bajuwarisch hoch und so verzogen wir uns in die Bar, die neben dem Hauptgebäude lag und eine Mischung aus Strohhütte und Festzelt war. Drinnen saßen ebenfalls eine Menge - meist junger - Leute, darunter erkennbar ein paar Deutsche, aber es war nicht ganz so laut. Der Grund: Auf Großbildfernsehern an beiden Schmalseiten lief live (!) das Bundesligaspiel Schalke : Stuttgart. Fragt mich nicht, welcher Sender das übertrug, jedenfalls kein mir bekannter. Wie auch immer: Tamrat war sofort vom Spiel magisch angezogen, während ich mir ein helles Bier, gebraut nach deutschem Reinheitsgebot, gönnte. Testergebnis: Nicht so lecker, wie ich dachte, aber das Ganze war doch mal eine nette Abwechslung.

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