(Rückdatiert) So, geschafft, jetzt sind wir die Familie, die wir von der Kopfzahl her immer sein wollten. Es hat drei Jahre gedauert, bis der zweite Kindervorschlag kam, dann - jetzt heute hier in Addis - drei Stunden Wartezeit beim Familiengericht mit vielen anderen weißen Paaren und schließlich gefühlte drei Minuten Anhörung vor der äthiopischen Richterin. Rund zehn Fragen, die wir meist mit "Ja" beantworteten, dann war es vollbracht: Das Kind Banchiayew wurde uns verbindlich zugesprochen. Rückgabe/Umtausch/Storno unmöglich. Aber wer will das schon?
Unmittelbar danach fuhren wir mit den lokalen Repräsentanten unseres Vermittlers ins Heim, um unsere frisch "gekürte" Tochter für immer von dort abzuholen. Dort war alles still. Der Grund: alle Kinder - auch die größeren - halten eine Stunde Mittagsruhe. Löblich, löblich! Und was mich freute: alle Fenster waren noch heile. Der Heimleiter bedankte sich überschwänglich für das tolle Tor-Geschenk; er hätte mit den Jungs schon viel damit gespielt. Dann ging alles sehr schnell und unprätentiös: Banchiayew wurde uns gebracht, schrie, wurde Stephanie in den Arm gelegt, schrie weiter und die Nanny verschwand wort- und grußlos. Irgendwie schon verständlich. Wie bei Tamrat damals ist das sicher für die Nannys furchtbar traurig, ein ans Herz gewachsenes Pflegekind einfach "gehen" zu lassen.
Auf dem Weg zurück zur Mission hatte sich Banchia dann beruhigt und beobachtete interessiert aus dem Taxifenster das quirlige und matschige Leben entlang Addis´ Straßen. Tamrat war hier im Auto zum ersten Mal richtig an seiner neuen Schwester interessiert und hielt liebevoll ihre Hand. Nach einem kleinen improvisierten Mittagessen legten wir Banchia dann ins Gitterbettchen zum Mittagsschlaf. Sie war sofort weg. Jaja, verdammt anstrengend, adoptiert zu werden - aber auch zum zweiten Mal Mutter und Vater zu werden!
Es kristallisierte sich im Laufe des Nachmittages aber immer mehr heraus, dass Banchiayew seltsamerweise eher auf mich fixiert ist. Stephanie versuchte ihr Bestes, doch Banchia brach immer in Tränen aus, wenn Stephanie sie hochnehmen oder an die Hand nehmen wollte. Papa gibt die Nanny, darf als Einzigster füttern, Windeln wechseln und anziehen. Uff, das hatten wir so nicht erwartet!


1 Kommentar:
Herzlichen Glückwunsch! Ich wünsche Euch alles Gute mit Eurer kleinen Tochter! Aber inzwischen seid Ihr als Eltern ja eingespielt, so dass es hoffentlich kein allzu schwieriger Übergang ist. Verstehen sich Banchia und Tamrat?
Drücke Euch alle Daumen, dass alles gut läuft!
Herzliche Grüße
Katharina
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