Dienstag, 2. August 2011

Daddy's Girl

Zum Glück verlief die erste Nacht zu Viert im kleinen Zimmer problemlos und Banchia hielt was man uns versprach: sie schlief wirklich durch bis um 6 Uhr. Das ist doch schon mal was! Den Vormittag ließen wir entspannt angehen und zeigten Banchiayew Haus und Umgebung, was noch für fast zwei Wochen ihr "Zwischenheim" darstellt, bevor es nach Hause geht. Tamrat war die ganze Zeit draußen irgendwo auf dem Gelände unterwegs und erschien nur dann und wann, um Kekse, Kaugummis oder Gummibärchen abzugreifen. Stephanie war bei Banchia immer noch abgemeldet, die nur mit viel Überredungskunst zu beruhigen war, wenn Banchia schrie, weil ich mal keine Zeit (oder Lust) hatte, sie herumzutragen oder bei ihren stabilen Gehversuchen wieder einzufangen. Aber das wird schon, da bin ich mir sicher.
Nach der Mittagspause begab sich Familie Steinchen dann mal zu einem ersten Touri-Schaulaufen auf den Souvenirstand-Abschnitt längs der Churchill Road. Ich hatte Banchiayew im Ergobaby vor der Brust und brachte mit diesem Anblick sicherlich manches äthiopische Rollenbild ins Wanken. Aber ob mit Baby oder ohne vor dem Bauch: Tourist ist Tourist. Und Touristen haben Geld. Jeder wollte uns also in seinen Basar hereinkomplimentieren. Ich machte den Händlern stets klar, dass wir noch zwei Wochen in Addis sind und deswegen heute für uns kein Grund zur Kaufwut und fürs Feilschen bestünde. Aber sowas wird natürlich überhört bzw. ignoriert. Spätestens wenn man sich mal aus Neugierde einen Preis nennen lässt, geht das Handeln los: "Mister, good quality! Tell me, what is your last price!"
Das Einzige, was wir heute erstanden, waren in einem gutsortierten Laden ein paar erste schöne bestickte T-Shirts für Tamrat und Banchiayew. Nach fast zwei Stunden traten wir geschwächt vom permanenten Anquatschen und Antwortgeben dann den Rückzug an. Einen Überblick haben wir jedenfalls bekommen und eine gewisse Neuorientierung auch, denn durch den Bauboom überall in der Innenstadt haben sich die Basare neu formieren müssen. Vieles von 2008 erkannte ich gar nicht wieder, aber das nervige Souvenirgewerbe stirbt niemals aus. An der Churchill Road nicht und anderswo in der Welt auch nicht.

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