(Rückdatiert) Dieser Tag war ein echter Lichtblick: Die Sonne schien bereits am Morgen, es war kein Wölkchen am Himmel. Nach dem Frühstück machten wir ein paar Besorgungen, z.B. frisches Obst beim Früchtekaufmann in seiner kleinen Laube etwas die Hauptstraße herunter kaufen. Die Menschen auf der Straße schauen uns stets interessiert und freundlich an. Das rechne ich allen Äthiopiern hoch an, dass wir nicht in Blicken und Worten angefeindet wurden. Aber das war auch vor drei Jahren mit Tamrat nicht der Fall. Man ist vielmehr belustigt und erfreut, wenn man uns sieht. Einzige Ausnahme sind die erkennbar reichen, wohlhabenden Äthiopier in der Boomtown rund um den Flughafen. Dort wird man schon mal gemustert, was evtl. an unserem praktischen, aber wenig adretten Outdoor-Stil liegen mag, der nun in deren Augen so gar nicht reich und wohlhabend rüberkommen mag. Who cares?
Da das Wetter selbst nach Banchiayews Mittagessen anhielt, setzten wir alles auf eine Karte und ich rief Taxifahrer Getu an. Wir wollten auf jeden Fall bei schönem Wetter mit Tamrat und Banchia nochmal auf den Mount Entoto, einen rund 3.000 Meter hohen Bergzug, an dessen Fuß Addis Abeba liegt. Getu, wie immer mit Bandera um den Kopf, lud uns pünktlich an der Mission ein und sein alter Lada begab sich später mal leise schnurrend, mal laut röhrend im zweiten Gang, die steile Straße hoch.
Oben angekommen war gerade an der Marienkirche Gottesdienst. Und weil wir uns nicht durch die die Kirche umgebenden Gläubigen schlängeln wollten, (rein kommen in äthiopische Kirchen keine Gläubigen) besuchten wir zuerst das kleine Museum, das dem Leben und Wirken von Kaiser Menelik II. (um 1900) gewidmet ist. Dieser machte letztendlich den Berg und das Dorf zu seinen Füßen zum Herrschaftssitz bzw. zu seiner Hauptstadt des von ihm neuvereinten Äthiopiens. Sein Palast hinter der Kirche ist allerdings für europäische Verhältnisse eher schlicht und winzig. Eher ein paar festgefügte ovale Bauten. Nun gut, Platz für party und Bankette ist in der kleinsten Hütte...
Getu fuhr uns dann noch zur etwas weiter die Straße entlang gelegenen achteckigen Kidus-Raguel-Kirche von 1885. Auf der zweiten Etage (selten für äthiopische Kirchen) befindet sich ein ebenfalls achteckiger, hoher Einbau, vollbemalt mit biblischen Szenen und großen Heiligenbildchen. Derartige Bilder bzw. Szeneriern würden jede Kinderbibel schmücken und etwas Besonderes verleihen. Das wäre mal ein Projekt...
Als wir die Kirche verließen, hatte sich die Sonne verzogen und wir merkten anhand der sofort kühleren Temperaturen, auf welcher Höhe wir uns doch befanden. Und da die Fahrt den Berg hinab mit seinen Serpentinen und durch die halbe Stadt zurück zur Mission seine Zeit braucht, sagten wir Getu, dass es uns reicht und er uns bitte zurückbringen möge.
Es blieb den ganzen Tag über schließlich regenfrei. Somit war es der perfekte Tag für diesen Ausflug - und der trockenste seit unserer Ankunft. Nach Familie B. gestern Abend, verabschiedeten wir heute Abend Familie K., die jetzt den Heimflug antrat. Wir waren die erste und sind jetzt noch für zweieinhalb Tage die letzte deutsche Familie auf dem Compound. Ein bisschen neidisch waren wir schon über die Abreise der anderen Familien, denn auch uns geht auch so langsam die Lust aus. Wir sind heute zwei Wochen hier.


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