Donnerstag, 11. August 2011

Hypothek auf den Sommer

(Rückdatiert) Der Vormittag stand ganz im Zeichen der Visumbeschaffung für Banchiayew. Ihr Pass wurde gestern von einer Agenturmitarbeiterin beim Immigration Office abgeholt und lag also den vorzulegenden Dokumenten bei. Die Deutsche Botschaft in Addis liegt etwas außerhalb an einem kleinen Flüsschen und ist natürlich ein Hochsicherheitstrakt . Abgetastet durften wir im Warteraum Platz nehmen und nach anderthalb Stunden und ein paar Formularkram hatten wir Eltern schließlich unsere Pässe wieder, verbunden mit der Zusage, dass wir Banchias Visum auch morgen abholen können. Das muss auch zwingend so sein, sonst haut das mit dem Rückflug am Samstag nicht hin. Hoffen wir auf deutsche Gründlich- und Verlässlichkeit.
Nach Banchiayews Mittagschlaf wurde das Wetter wieder sonniger und wir vier - jetzt alleine in der Mission - wollten jetzt mal oben an der Straße ins Lambe Café. Aber auf dem Weg die kleine Stichstraße hoch zur Hauptstraße trafen wir vor einem kleinen Kiosk "meinen" Barbier. Ich deutete auf Tamrat und er lächelte, nickte und ging voran zu seinem Laden. Ich hatte Tamrat auch einen Frisörbesuch nahe gelegt, da er zum einen auch zu lange Haare hatte und zum anderen so selbst die Geschichte mit dem Abfackeln des Scherblattes erleben konnte. Tamrat hatte jedenfalls nichts dagegen, setzte sich mutig in den Frisörstuhl und harrte der Dinge, die da kommen. Das Scherblatt wurde zu seiner Freude natürlich abgefackelt und sein Kopf mit demselben Brimborium "bearbeitet" wie meiner. Und die Haarlänge war zum Schluss nur ca. ein Millimeter. Dann bekam er mit der Maschine eine akkurate Kontur verpasst und sieht nun wie ein echter einheimischer äthiopischer Junge aus. Und so viel Mut wurde natürlich noch mit einem Kuchenstück belohnt. Ihm gefällt die Frisur, nur, dass ihm auf dem Kopf jetzt kälter ist. Es ist halt ein Sommerhaarschnitt im äthiopischen Winter und zugleich eine Hypothek auf ein wenig Restsommer in Deutschland, wenn wir zurückkehren.

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