Donnerstag, 4. August 2011

Großes Familientreffen

(Rückdatiert) Du meine Güte, heute war einiges los auf dem Missionsgelände. Es begann damit, das unserer lokaler Repräsentant mich auf dem Handy anrief und fragte, ob auf der Mission noch Platz für Familie K. aus Deutschland wäre. Sechs Köpfe wollten eine neue Bleibe, denn ihr Guesthouse im Zentrum hätte ihnen übel mitgespielt und sie wollten die restlichen vier Tage bis zu ihrem Abflug nicht länger dort verbleiben. Ich klärte schnell mit Hauswirtschafterin Mulu, was da zu machen ist, da rief schon eine weitere Familie bei mir an, die aus dem gleichen Guesthouse und Grund ihre Unterkunft wechseln wollte. Diesmal zum Glück ist gerade Regenzeit und die Raumbelegung kein Problem. Beide Familien konnten kommen, Mulu bereitete gerade alles vor, da rollte Familie B. mit Sohn Bastian (6) und neuer Adoptivtochter B. (2,5) im Taxi schon auf den Hof der Mission. Sie kamen bei uns im großen Gästehaus unter, während die nur etwas später eingetreffende Familie K. mit zwei Töchtern, Sohn Jaron (5) und neuer Adoptivtochter Z. (8 Monate) ein eigenes kleines Chalet gekam. Nun war für alle gesorgt und die gleichaltrigen Jungs fanden sich sofort zum Spielen und wilden Herumtoben.
Als sich beide Familien sortiert und eingerichtet haben, beschlossen wir Väter gemeinsam im Taxi zum Bambis Supermarket zu fahren, um zur anstehenden Selbstverköstigung - Mulu bietet nur Frühstück an - ausreichend Lebensmittel einzukaufen. Dann ging es zur Feier des Tages und der beiden Neunkömmlinge ins bekannte Lambe Café zu knallorangener Mirinda für die Kinder, leckerem Macchiato für die Erwachsenen und einer Runde Trockenkuchen für alle. Es gab dort eine ansehnliche Auswahl an Stücken, wie z.B. Madeleines, Marmorkuchen, Schokokuchen - nur die mit Cremefüllung waren tabu, leider. Es ist schon nervig, dass man in Äthiopien aus Hygienegründen bzw. aus Selbstschutz auf so abwechslungsreiche Sachen, wie Salate, bestimmtes Obst, Milchspeisen, Eis und einiges mehr verzichten muss. Abgepacktes Fleisch oder bestimmte Gemüsesorten aus dem Supermarkt sind entsprechend verarbeitet grenzwertig bis in Ordnung, denn man will ja nicht jeden Tag Spaghetti mit Tomatensauce aus der Dose zu sich nehmen. Ein gewisses Risiko "Mengistus Rache" zum Opfer zu fallen bleibt immer.
Der Tag heute war sicher der kurzweiligste unseres bisherigen Aufenthaltes hier. Ich glaube Tamrat und die anderen Kinder waren froh, dass heute Deutsch die am meisten zu hörende Sprache auf dem Gelände war, und dass sie sich selbst auch untereinander in Deutsch  verständigen konnten. Die nächsten Tage bis zur baldigen Abreise der beiden neuen Familien versprechen recht turbulent zu werden. Den Kindern - besonders den "frisch adoptierten" - tat das erkennbar gut. Banchia war heute richtig fröhlich und bester Laune, was auch Stephanie zugute kam. Sie darf sie jetzt hochheben, füttern und herumtragen, ohne das die Sirene jedesmal angeht. Aber wir haben ja noch so viel Zeit hier bis wir selbst wieder fliegen.

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