(Rückdatiert) Nach dem Frühstücken zeigte sich die Sonne und das wollte genutzt werden. Mit Familie B. einigten wir uns auf ein gemeinsames Abgrasen der rund 20 Souvenirshops, etwas seitlich am unteren Teil der Churchill Road gelegen. Dieses Areal kam uns noch von 2008 bekannt vor. Die Atmosphäre war recht entspannt; ein paar Schuhputzer-Jungen versuchten ihr Gück und wollten unsere Outdoor-Schuhe auf Hochglanz bringen und jeder Souk-Händler wollte uns gerade in seinen Laden einladen. Wir fanden ein paar schöne Sachen und Mitbringsel und handelten den einen oder anderen Discount heraus, wohl wissend, dass wir Ferendjis immer noch zu viel bezahlten. Aber umgerechnete gehen die Preise schon in Ordnung. Ein T-Shirt mit farbig gesticktem bierdeckel-großem Motiv auf der Brust für weniger als fünf Euro ist fair. Aber man will ja nicht kampflos das Feld räumen. Und wenn man anschließend noch zu einer kleinen improvisierten Kaffeezeremonie eingeladen wird, so wie Chris und ich, dann hat man zu viel bezahlt oder es ist ein Zeichen der Wertschättzung - oder beides.
Der Nachmittag war dann wieder weniger schön: Es regnete und der August entspricht wohl 100-prozentig der Aussage im Reiseführer, nämlich regenreichster Monat in Äthiopien zu sein. Bastian und Tamrat wussten nicht recht wohin mit ihrer Kraft und alberten und tobten lautstark herum. Banchia nahm das alles irritiert zur Kenntnis. Ich schickte irgendwann beide raus zum Fußballspielen, obwohl es immer noch tröpfelte.
Familie B. hatte heute ihren letzten Tag und zur Feier des Tages lief ich los, a) meine gestern im Lambe Café u.a. für Jule gekauften und mitgenommenen Cola-Flaschen zurückzugeben und b) im Motera-Hotel nebenan für den heutigen Abend vier Bierflaschen zu kaufen. Das gestaltete sich allerdings etwas schwieriger. Die Bediensteten an der Bar verstanden nicht gleich, was ich überhaupt wollte und dann kassieretn sie zusätzlich noch 100 Birr Pfand, damit ich die leeren Flaschen auch ja morgen zurückbringe. Geht in Ordnung, solange sich denn nur jemand daran morgen erinnert. Nun, so braucht's eben Vertrauensvorschuss auf beiden Seiten.
Man muss wissen, dass alle äthiopischen Gastronomen hinter ihrem Leergut her sind, wie der Teufel hinter der armen Seele, denn sie bekommen einen unvollständigen Softdrink- oder Bierkasten nicht vom Großhändler abgenommen. Ziemlich restriktiv das Ganze...
Während des warmen Abendessens, das ich für alle zubereitet hatte, kam es nur zu Ermahnungen von Tamrat und Bastian, sich zu benehmen und etwas leiser zu sein. Beide waren vollends überdreht. Um die beiden Racker ein wenig herunter zu kühlen, wollte Chris - Vater von Bastian - zum Abschied den offenen Kamin in unserem Gemeinschaftswohnzimmers anfachen und Marshmellows grillen. (Keine Ahnung, wann und wo er die gekauft hatte.) Bedingung: aber nur, wenn beide Jungs nun folgsamer und weniger laut wären. Es half. Ich organisierte auf dem Gelände für die beiden Jungs noch schnell zwei Ruten zum Aufspießen. Nach jeder drei Marshmellows, die beide ganz andächtig an ihren Ruten im Kamin drehten und verspeisten, war dann aber zeitig Zapfenstreich für alle Kinder. Und die Erwachsenen folgten nicht lange nach ihnen.


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